Wir können auf Julia Gaulke (7B) stolz sein!
Sie hat den 53.Bundes – Jugendredewettbewerb am 7.6.2005 gewonnen. Ihr Engagement, ihre Leistungsbereitschaft und ihr rhetorisches Können sind bewundernswert! Herzlichen Glückwunsch!
Mag. Z. Szell
Mit diesen ironischen Worten beginnt die Gewinnerrede der Kategorie "Höhere Schulen" des diesjährigen, bereits zum 53. Mal ausgetragenen Redewettbewerbs für Österreichs Jugendliche. Die Autorin? Julia Gaulke, Schülerin der Klasse 7B, die, im sich dem Ende zuneigenden Schuljahr, schon für viel Gesprächsstoff sorgte.
Zum ersten Male nach langen, ruhigen 39 Jahren gelang es dem Burgenland, den ersten Platz zu belegen. Es war außerdem die Premiere für das BG/BRG/BORG Eisenstadt, das bisher noch nie den/die Sieger/in stellte.
Insgesamt galt es, drei Qualifikationsrunden zu überstehen, um das Finale zu erreichen. Die ersten zwei Hürden, die schulinterne Ausscheidung sowie den Bewerb der besten Redner/Innen des Nordburgenlands, überstand Julia mit Bravour. Mit einer ironischen, geistreichen und - positiv - provokanten Rede, welche den Titel "Wirtschaft über alles", versehen mit einem großen Fragezeichen, trägt, verstand sie es, die Jury zu überzeugen. Ihre Kritik an der Wirtschaft und der Aufruf zu einer humaneren Welt, aber auch ihre Rhetorik begeisterten in der Folge alle, sodass sie zuerst den Landesbewerb in Mattersburg und am 7.6.2005 auch den Bundesbewerb in Wien für sich zu entscheiden wusste.
Ein großes Dankeschön gilt auch dem BG/BRG/BORG Eisenstadt unter
der Leitung von Dir.Dr. Feymann, der es ermöglichte und gestattete, die
7B an jedem Wettbewerb teilhaben zu lassen, um für kräftige Unterstützung
zu sorgen. Zuletzt ist es mir eine Ehre, Julia Gaulke zum Bundessieg gratulieren
zu dürfen. Wir, die SchülerInnen und der Lehrkörper des BG/BRG/BORG
Eisenstadt, der Landesschulrat für Burgenland, aber auch alle anderen Schulen
des Burgenlands, KÖNNEN stolz auf Dich sein.
Marco Vitorelli, stellvertretend für die 7B und das BG/BRG/BORG Eisenstadt
Hier die Rede der Siegerin:
Wirtschaft über alles?Sehr geehrtes Publikum! Mal ehrlich, wir – die Menschheit – dürfen wahrhaft stolz
auf uns sein. Haben wir es doch, verglichen mit dem stattlichen Alter unserer
Mutter Erde, in relativ kurzer Zeit geschafft eben dieser betagten Dame ein
ganz neues Gesicht zu verleihen. Denn wissenschaftlich betrachtet, haben
uns die, zum Überleben notwendige Anpassung, gekoppelt an ein wachsendes
Schädelvolumen, und die daraus resultierende Intelligenz aus den dunklen
Höhlen unserer Urahnen schließlich in helle komfortable Büros
von Wolkenkratzern katapultiert. Dies verdanken wir nun v.a. der wirtschaftlichen Entwicklung, die zunächst in unserem Dienste stand. Immerhin ermöglichte erst die zündende Idee der Arbeitsteilung eine Spezialisierung, die für wichtige Erfindungen ausschlaggebend war. Sie vereinfachten wiederum die Arbeit und steigerten die Arbeitsleistung, sodass Freizeit entstehen konnte... Freizeit, etwa für eine verstärkt geistige Betätigung! Die wirtschaftliche Organisation muss demnach als Basis für Kunst, Wissenschaft – eine höhere Kultur im Allgemeinen – betrachtet werden. Freizeit durch Wirtschaft und Kultur durch Freizeit, könnte daher die legitime Formel lauten. Aber: Wer hat überhaupt noch genug Freizeit, um den hohen Lebensstandard, den wir erreicht haben, zu genießen? Wie groß ist der Teil der Bevölkerung, der die Lorbeeren der Wirtschaft wirklich erntet? – Er ist verschwindend klein! Trotz Zugeständnissen, wie der 40-Stunden-Woche, gilt nämlich, für die meisten unter uns, nicht mehr Freizeit durch Wirtschaft, sondern alle Zeit für die Wirtschaft! Und warum? Weil wir heute in einem derart dichten wirtschaftlichen Netzwerk verstrickt sind, dass wir kaum mehr eine andere Wahl haben! Eine Firma muss pünktlich die andere beliefern, etliche Zulieferer sorgen dafür, dass das Regal im Supermarkt um die Ecke auch voll ist, ein Zahnrad hat in das andere zu greifen... Leider kann der moderne Mensch diesem großem Wirtschaftsrad, obwohl
er es ja selbst erfunden und in Gang gesetzt hat, kaum entkommen. Wie ein
Hamster rennt er im Tempo, die das Rad ihm vorgibt, um quasi sein Futter
zu sichern! Wirtschaft dominiert demnach in einem manchmal schmerzlichen Grad unsere
Lebensgestaltung und geht oft tatsächlich über alles! Wobei der
Preis für unseren gehobenen und gesicherten Lebensstandard nicht selten
das Leben an sich ist. Dafür bedient man sich nun der Werbung, mittlerweile fast überall
unsere Sinne bombardiert! Gekonnt werden wir, besonders was unser ästhetisches Empfinden angeht,
manipuliert. Auf speziell bearbeiteten Bildern präsentieren sich uns
beispielsweise makellose, meist halbnackte Körper in Verbindung mit
dem jeweiligen Konsumartikel. Man zeigt den Menschen nicht wie er ist – mit
seinen „Fehlern“ also – sondern retuschiert Fettpölsterchen,
Hautunreinheiten, u.ä. einfach weg. Rasch werden so, v.a. Jugendliche,
von dem Gefühl heimgesucht, ebenfalls dem entworfenen Idealbild entsprechen
zu müssen. Plötzlich findet man leicht, nur vollwertig zu sein,
wenn man zu Hause vor dem Spiegel ähnlich perfekt wirkt, wie das Werbemodell. Leider fördert diese trickreiche Werbestrategie aber nicht nur den
wirtschaftlichen Umsatz! Konsequenz jener praktisch angewandten Psychologie
ist eine wachsende, merkliche Oberflächlichkeit in unserer Gesellschaft,
die zunehmend Wert auf das Äußere legt. |