Francophonie
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Französisch ist nicht auf Frankreich beschränkt. Mit Englisch ist es die einzige Sprache, die auf allen fünf Kontinenten gesprochen wird. Der Begriff « Francophonie » bezeichnet die Gesamtheit aller Personen - man schätzt sie auf 180 Millionen, die Französisch als Mutter- oder Zweitsprache verwenden. Sie verteilen sich auf 51 Staaten, die als Mitglieder der « Organisation Internationale de la francophonie (OIF) » alle zwei Jahre in einem der Mitgliedsländer einen Gipfel abhalten (zuletzt 2002 in Beirut), um Fragen der Francophonie, aber auch der Entwicklungshilfe zu besprechen. Generalsekretär dieser Organisation ist derzeit der ehemalige Präsident von Senegal, Abdou Diouf, sein Vorgänger war bis 2002 der frühere UNO-Generalsekretär Boutros Boutros Ghali. Den engsten Kontakt hat Frankreich naturgemäß mit den sieben Überseegebieten, die ihm aus seiner Kolonialzeit geblieben sind (sog. « DOM-TOM »):

die vier « Départements d´outre-mer » (DOM):

Martinique, Guadeloupe (beide in der Karabik),
Guyane (in Südamerika),
Réunion (im indischen Ozean)

und fünf « Territoires d´outre-mer » (TOM):

Neu-Kaledonien (la Nouvelle Calédonie) in Melanesien
Mayotte (im indischen Ozean),
Saint-Pierre-et-Miquelon (Nordatlantik),
Polynesien (la Polynésie française), d.h. Tahiti und einige andere Inseln,
Wallis et Futuna
und die « Terres Australes et Antarctiques Françaises » (TAAF) - ein Archipel im südlichen Polarmeer.

Als Teil Frankreichs gehören diese Gebiete übrigens zur EU und haben zugleich mit Frankreich den Euro als Währung eingeführt.

Außerhalb Frankreichs verwendet in einigen Staaten ein Teil der Bevölkerung Französisch als Muttersprache:

Belgien kennt drei offizielle Landessprachen: Niederländisch (im Norden - "Flamen", « les flamands »), Deutsch (im Osten) und Französisch (im Süden - "Wallonen", « les wallons »). Von 10,2 Millionen Belgiern sind 4,2 Millionen frankophon.
Auch Luxemburg hat drei offizielle Landessprachen: Deutsch, Französisch (ca. 400.000) und (seit dem Ende des zweiten Weltkriegs) "Luxemburgisch".

In der Schweiz sind etwa 1,2 Millionen frankophon (18% der Bevölkerung).

Die größte französischsprachige Region außerhalb Frankreichs befindet sich weit weg vom Mutterland: in Kanada leben 6,5 Millionen (23% der Gesamtbevölkerung) frankophone Menschen, verteilt über hauptsächlich drei Provinzen: 5,7 Millionen in Québec (Ostkanada), 0,5 Millionen in Ontario und 0,2 Millionen in Nouveau-Brunswick.

Québec, die größte der 10 Provinzen Kanadas, hat eine lange französische Geschichte: 1534 entdeckt Jacques Cartier das Land, 1608 wird auf einem Vorgebirge am Lorenzstrom - an bester strategischer Lage - die Stadt Québec (heute Québec-City) gegründet und bald zur Hauptstadt der « Nouvelle France ». 1763 müssen die Franzosen zwar nach ihrer Niederlage im siebenjährigen Krieg Québec an Großbritannien abtreten, aber seit den 60er-Jahren des 20.Jhd. besinnen sich die Quebecer (« les Québecois ») wieder zunehmend ihrer französischen Wurzeln. Eine starke separatistische Bewegung verlangt einen völlig eigenständigen, unabhängigen Staat Québec. 1967 finden sie sogar Unterstützung durch den französischen Staatspräsidenten General de Gaulle, der während seines Besuchs in Kanada vom Rathaus in Montreal aus der Menge sein berühmtes « vive le Québec libre ! » zuruft. Nur mit hauchdünner Mehrheit (50,6%) entscheidet sich die Bevölkerung 1995 in einer Volksabstimmung für den Verbleib bei Kanada. Es ist kein Zufall, dass Québec noch mehr als Frankreich darauf achtet, im eigenen Land den Einfluss der englischen Sprache zurückzudrängen. Statt "hot dogs" werden mancherorts « chiens chauds » angeboten, statt "popcorn" « épice à maïs éclaté » und das Internet heißt hier auch « la Toile d´Araignée Mondiale ».

Eine kleine französischsprachige Minderheit gibt es sogar in den USA: in Lousiana ist Französisch neben Englisch zweite offizielle Landessprache, 6,2% (260.000) der Bewohner bezeichnen sich als frankophon. Diese bevorzugte Stellung des Französischen hat ihre Wurzeln im 17.Jhd., als Robert de la Salle auf seiner Entdeckungsreise auf dem Mississippi das Land im Flussdelta für den französischen König Ludwig XIV in Besitz nimmt. 1718 wird Nouvelle Orléans (heute: New Orleans) gegründet, 1803 verkauft Napoleon das Land um 80 Millionen Goldfrancs an die USA.