Aktionstage für politische Bildung/Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen

Im Rahmen der Aktionstage für politische Bildung (23.4. - 9.5.) sowie anlässlich des Gedenktages zur Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen (5.5.), der diesmal unter dem Motto "Gegen Gewalt und Rassismus" stand, konnte unsere Schule 2 Zeitzeugen begrüßen, die einigen Klassen aus ihrem an Erfahrungen reichen Leben berichteten.

Herr Stefan Horvath, Jahrgang 1949, Angehöriger der Volksgruppe der burgenländischen Roma aus Oberwart, dessen Eltern verschiedene Konzentrationslager überlebt hatten, erzählte Schülern aus den 6. und 7. Klassen (6A, 6C, 7A, 7B) über sein persönliches Schicksal - er verlor einen Sohn bei dem Anschlag in Oberwart 1995 - wie auch über die Geschichte der Roma, insbesondere zur Zeit der NS-Herrschaft. Weiters las er aus seinen Werken "Ich war nicht in Auschwitz" und "Katzenstreu" und stellte sich den Fragen interessierter Schüler - wobei vor allem die sehr persönlichen Bemerkungen zu seinem Umgang mit seinen traumatischen Erfahrungen beeindruckten und berührten.

Herr Otto Deutsch wurde 1928 in Wien als zweites Kind jüdischer Eltern geboren. 1939 gelang es seiner Mutter, ihn mit einem der Kindertransporte nach England zu schicken. Trotz seines bereits fortgeschrittenen Alters nahm Herr Deutsch, der seit damals in England wohnt, die Strapazen auf sich, während seines Österreich-Aufenthalts mehrere Schulen zu besuchen. Die SchülerInnen der 7.Klassen waren sehr berührt, als Herr Deutsch von der Kristallnacht in Wien erzählte, in welcher er seinem Vater zum letzten Mal sah, vom Abschied von seiner Mutter und seiner Schwester, als er mit vielen anderen jüdischen Kindern nach England gebracht wurde, von der Aufnahme dort in einer christlichen Familie und schließlich vom Brief, der aus dem Deutschen Reich kam, in welchem ihm mitgeteilt wurde, dass seine Eltern gestorben sind. Nach Beantwortung vieler Fragen hielt Herr Deutsch ein sehr beeindruckendes Plädoyer für Toleranz, das nachhaltig auf alle ZuhörerInnen wirken sollte.

Eindrücke der Schüler

Die SchülerInnen der Klassen 7A und 7B haben in Gruppen einige Stellungnahmen zum Zeitzeugenvortrag von Herrn Deutsch abgegeben:

Es war eine große Ehre für uns, dass wir die Geschichte des Herrn Otto Deutsch hören durften. So hatten wir die Gelegenheit, etwas über seine Lebensgeschichte während des Naziregimes zu erfahren. Wir schätzen sehr, dass wir die Möglichkeit hatten, einen Zeitzeugen zu treffen, da die nächste Generation diese Erfahrung nicht mehr machen kann. Herr Deutsch hat seinen Vortrag sehr interessant und emotional gestaltet. Man konnte sich in seine Lage gut hineinversetzen und fühlte mit ihm. Weiters war seine Schilderung der Ereignisse in der Kristallnacht sehr eindrucksvoll und wir fanden es äußerst bemerkenswert, wie genau er unsere Frage beantwortet hat. (7A)

Wir waren sehr davon beeindruckt, wie er seine Erlebnisse aus der Kindheit beschrieben hat, besonders die Erzählungen über seine Schwester, die er wirklich geliebt haben muss. Es ist außerdem sehr beeindruckend, dass er seine Rolle als Zeitzeuge sehr Ernst nimmt und man merkt, dass es ihm ein Anliegen ist, unserer Generation seine Erlebnisse näher zu bringen. Er hat unsere Fragen gut und verständlich beantwortet und unsere Betroffenheit war spürbar. Manche von uns waren von seiner Lebensgeschichte berührt, seine charmante Art imponierte uns sehr. Dieser Vortrag wird uns ganz sicher sehr lange in Erinnerung bleiben. (7A)

Der Vortrag war äußerst interessant gehalten und – gegen meine Erwartungen – zu keiner Zeit zu langatmig oder zu detailliert. Der Vortragende sprach ruhig, langsam und sehr ausdrucksvoll. Alle Erlebnisse wurden sehr bildlich beschrieben und man konnte sich die Situation in der damalige Zeit gut vorstellen. Der Sprecher war sympathisch und man konnte ihm zu jeder Zeit gut zuhören. (7B)

Der Zeitzeugenvortrag war wirklich gut. Herr Deutsch hat gut verständlich und äußerst eindringlich über sein außergewöhnliches Leben erzählt. Meiner Meinung nach ist es ihm sehr gut gelungen, uns ein Bild über diese schreckliche Zeit zu vermitteln. (7B)

Otto Deutsch gab uns einen eindrucksvollen Einblick in das Leben der Juden während des 2.Weltkrieges. Es war sehr bewegend, diesen wichtigen Abschnitt in der Geschichte von einem Zeitzeugen bzw. einem Opfer zu hören. Besonders beeindruckend fand ich, dass er trotz allem mit einem Lächeln auf den Lippen von seinen Erlebnissen erzählen konnte und, dass die grausamen Schicksale seiner Familie ihm sein Lachen und seinen Humor nicht nehmen konnten. (7B)