Bundeswettbewerb "Philosophie Akademie" an der Sir Karl Popper SchuleVom 21.3.2007 bis 23.3.2007 fand zum zweiten Mal in Österreich ein philosophischer Bewerb statt, der den SchülerInnen der 8.Klassen ermöglichte, ihr Können im Schreiben philosophischer Essays unter Beweis zu stellen. Die zwei besten aus jedem Bundesland nahmen am Bundeswettbewerb in Wien teil. Immanuel Kretschmer war einer davon! Der Bundeswettbewerb dauerte drei Tage, an denen die SchülerInnen selber aktiv waren (neben dem Verfassen ihres Essays) oder Philosophisches zu hören bekamen. Das Schreiben der Essays selbst dauerte 4 Stunden und wurde anschließend von den teilnehmenden Philosophieprofessoren beurteilt. Die Themen waren anspruchsvoll und die Arbeiten sehr gut. Immanuel verfehlte nur knapp den 6.Platz. Die zwei besten aus diesem Bewerb fahren im Mai zur internationalen Philosophieolympiade in die Türkei! Nächstes Jahr gibt´s wieder eine Chance! Immanuels Essay findet ihr weiter unten. Wer mehr wissen möchte über den Ablauf, die Themen, die Gewinner etc., findet Infos unter www.philoessay.at.gg |
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Karl R. Popper - von Immanuel KretschmerIm Laufe der Entwicklung der modernen Wissenschaften und der aus der Renaissance hervorgehenden Selbstentdeckung des Menschen wurde die breite Masse kontinuierlich mit neuen Erkenntnissen sowohl geistiger wie technologischer Natur konfrontiert. Dieser Prozess hält bis heute Einzug in die Köpfe aller in der mediatisierten Welt lebenden Bürger. Dieses dem Menschen zutiefst eigene Streben nach Erkenntnis und Wissen
begründet unsere heutige Gesellschaftsordnung und trägt auch zum immer fortwährenden
Drang nach Wachstum und Entwicklung bei. Welche Erkenntnis eines Durchschnittsbürgers kann in anbetracht unserer hochentwickelten Medienindustrie denn überhaupt noch als authentisch anerkannt oder gewertet werden? Haben wir nicht längst die Fähigkeit, uns primär auf unsere eigenen Gedankengänge zu stützen verloren? Die Macht des „autoritären“ Wissens umspannt unser Leben als sogenannte Weltbürger mit bedrohlich anmutender Kraft und Selbstverständlichkeit. Die uns als „Wahrheit“ vorgekaute Flut an Informationen, besser bekannt als „Allgemeinbildung“ wird von vielen als unentbehrliches Gut und höchste Errungenschaft unserer „vergeistigten“ Gesellschaft angesehen. Betrachtet man einen „dem System gefügigen“ Menschen, so scheint dieser Mechanismus in ihm weder innere Konflikte noch Selbstkritik zu generieren. Die uns von der Physik und Biologie dargelegte Tatsache, dass die von uns suggerierten Werte wie absolute Uniformität und Konformität jeglichen Naturgesetzen und –phänomenen widersprechen, lässt mich in Anbetracht von Einheitskultur und dogmatischem Konsumismus immerhin neue Hoffnung schöpfen. Wenn Popper von der Notwendigkeit, „auf festem und sicheren Boden zu stehen“
spricht, tangiert er somit eine, wenn nicht die essentielle Vorraussetzung
für ein erfülltes, florierendes und harmonisches Leben. Poppers Aussage impliziert dabei eine als natürlich vorausgesetzte Selbstkritik. Der unendliche Raum, und unsere Welt als Teil von ihm, befindet sich in
stetiger Bewegung und Transformation. Die metaphysische Unendlichkeit schließt
das absolute Wissen als solches nicht nur kategorisch aus, sondern macht
dieses im objektiven Sinne auch überflüssig und entbehrlich. Der wahre Ursprung des Übels der Philosophie liegt wie so oft im menschlichen
Leben nicht am eigentlichen Charakter der Sache selbst, sondern nur an unserer
Interpretation und persönlichen Auslegung dieser. Popper erkennt mittels seiner These nicht die menschliche Neugierde und das jedem Individuum eigene „Welteroberungsbedürfnis“ als kategorisch absurde und überflüssige Eigenschaften, sondern will im Gegenteil einerseits den diesen heute angehefteten Charakter der dogmatisch-ökonomischen Zweckdienlichkeit anprangern, und andererseits die ihnen vom „totalitären System“ der Vereinheitlichung entgegengebrachte Misswürdigung und Ignoranz aufzeigen. Wahre Erkenntnis kann jeglichen direkten kausalen Zweck eben wegen der ihr eigenen inneren Wahrheit entbehren und lässt somit auch neue, durch sie auftretende Konflikte nicht als Hemmnis oder Verneinung ihrer selbst, sondern als neuen Anreiz zur offenen Auseinandersetzung mit unserem täglichen Leben und aktiven Beteiligung an diesem erscheinen. Popper sieht das Problem nicht im den Menschen selbst, sondern in ihrer Feigheit, selbst Verantwortung als mündige Bürger zu übernehmen. Der Hochseilakt wird dem Artisten zur Unmöglichkeit, wenn er nicht, bevor er das dünne Seil betritt, die Augen öffnet und mit Mut und Selbstvertrauen einen Schritt auf den anderen setzt. Wohl der Tatsache bewusst, dass er möglicherweise sich mit jedem Schritt von dem ihm „sicheren Boden“ entfernt, und in „Schwanken“ gerät, ist dieses Risiko jedoch für ihn die einzige Möglichkeit, sich als selbstbestimmtes „Lebewesen“, als lebendes Wesen zu verwirklichen und zu agieren. Die im Abenteuer geborgene Gefahr soll uns nicht hemmen, sondern daran erinnern, dass nur wir selbst unser Schicksal und Dasein bestimmen und in der Hand haben. Der zweite wesentliche Aspekt Poppers Kritik greift nicht die Wissenschaft an sich, sondern die eigentliche Misshandlung ihrer selbst als Instrument des nach blindem Kommerz ausgerichteten Universalspielzeugs des Menschen auf. Der Notwendigkeit Probleme zu lösen, geht in konsequenter Abfolge die Schaffung eben dieses Problems voraus. Das kapitalistische System des freien, sich selbst als „unbeschränkt“ preisenden Marktes, bedarf der breiten Kollaboration aller Teile der Gesellschaft um seine Macht konsequent über alle Lebensbereiche ausdehnen zu können. Angst und Unsicherheit haben sich im Laufe der Menschheitsgeschichte als außerordentlich effektive Instrumente zur Manipulation und Unterjochung von Gesellschaften erwiesen und haben bis heute ihren Einfluss kaum eingebüßt. Die „von oben suggerierten“ Probleme generieren genau die Bedürfnisse, welche zur Beherrschung und Ruhigstellung der Massen notwendig sind. Weiters dient die kollektive Unsicherheit auch der Erhöhung der Empfänglichkeit für ideologische Ideen und Doktrinen. Den Menschen glauben zu machen, er sei machtlos und verloren, lässt jeglichen Mut zur Eigeninitiative im kollektiven Desinteresse untergehen. Popper will uns nicht entmutigen, sondern uns dazu anhalten, das Risiko
des persönlichen Scheiterns und Fehltritts auf Kosten dem totalitären Konformismus
zu entgehen, einzugehen und den wahren Schritt zum „Menschsein“ zu wagen.
Dies impliziert zwar Leid, Entbehrung und das Gewahrwerden ständig neues
„Unwissens“, doch ist es keineswegs ernüchternd sondern die einzige Herausforderung,
die uns am Leben hält. |