Besuch des "Girls’ Day" im Bundeskanzleramt
Die 7C und einige Schülerinnen der 8A kamen am Donnerstag, dem 26.4.07,
in den Genuss einer besonderen Vergünstigung: Das Bundeskanzleramt öffnete
anlässlich des vom Bund initiierten „Girls’ Day“ seine Tore, und Herr Professor
Miskulnig hatte uns einige Plätze in einer Vortragsreihe der Sektion 4 des
BKA für Koordination organisiert.
Bezeichnenderweise wurden wir von einem Sektionschef begrüßt,
der uns drei im Bereich dieser Sektion tätige „Karrierefrauen“ vorstellte.
Die Damen erläuterten uns ihren Werdegang im Rahmen des Bundesdienstes, wobei
hauptsächlich und ausgiebigst beteuert wurde, dass derselbige speziell für
Frauen sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten biete.
Zum Abschluss wurden wir von einem Herrn im knallpinken T-Shirt
durchs Haus gelotst, wobei sein flashiger Aufzug einen tieferen Grund gehabt
haben dürfte: so verlor man ihn im verwinkelten Labyrinth des Ballhausplatzes
2 garantiert nicht aus den Augen – die Folgen eines falschen Schritts wären
fatal gewesen. Kaum mannshoch, führten PVC-ausgelegte Maulwurfsgänge von
Kreiskys holzgetäfelter Höhle zu Dollfuß’ Sterbezimmer, wo sogar der Platz,
an dem er verblutete, mit einem Schild gekennzeichnet ist, welches den in
grässlichem Nachkriegs-Schick gehaltenen Raum auch nicht wirklich verschönerte.
Der einzige Raum, der einen wirklich ästhetischen Anspruch geltend
macht, ist das berühmte Zimmer, in dem vor rund 200 Jahren die Schlussakte
des Wiener Kongresses unterzeichnet wurden und heute jeden Mittwoch die Ergebnisse
des Ministerrats vorgetragen werden.
Das neue Kanzlerbüro durften wir leider nicht besichtigen, da
sich bereits eine andere Gruppe unseren Regierungschef „zur Brust genommen“
und sein Zimmer okkupiert hatte. Dennoch war dieser kleine Spaziergang durchaus
lehrreich, da er aufs Deutlichste zeigte, wie ein modernes Amtsgebäude nicht
auszusehen hat.
Auch wenn die Vorträge der eigentliche Grund dieser Exkursion waren,
haben hauptsächlich die Räumlichkeiten einen bleibenden Eindruck auf mich
gemacht. Es mag eine naive Vorstellung sein, doch dadurch, dass ich das Gebäude,
von dem aus dieses Land regiert wird, mit eigenen Augen sehen konnte, verlor
die Art und Weise, wie die Mechanismen „on top“ ablaufen, einiges ihrer Unnahbarkeit,
da leibhaftige Menschen in wirklichen Häusern bei weitem weniger schrecklich
scheinen als ungreifbare Papiergespenster irgendwo zwischen dem Sport-Teil
und der High-Society.
Alles in allem kann man den Beteiligten ihre Bemühungen nicht
absprechen, obwohl man der Veranstaltung – so wie der ausufernden, aber dennoch
ihr Ziel erreichenden Bürokratie des Bundes – eine gewisse Zähigkeit attestieren
muss.
Bereut habe ich den Tag mit Sicherheit nicht: Ich kann es nur
jedem nahe legen, die Möglichkeit zur Besichtigung jeglicher Regierungsgebäude
zu ergreifen – sollte sie einem geboten werden. Lehrreich ist ein solcher
Besuch auf jeden Fall.
Theodora Bauer
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