| "Franziskus" | |
| zwei Interviews anlässlich der Aufführung des Oratoriums im Hadysaal am 10.6.2007 | |
Stefan Milletich: "Die Musik ist ja zeitlos"– Der begnadete Texter des "Franziskus" im Gespräch mit Theodora Bauer, 3.5.2007
D: War es schwer, einen Text für so ein großes geistliches Werk zu schreiben? M: Eigentlich nicht. Ich habe eher zu tun gehabt, die von allen Seiten zuströmenden Gedanken, die zu diesem Heiligen aus einem kommen und die man zu ihm hat, ein bisschen zu kanalisieren und zu selektieren… aber schwer war es eigentlich nicht. Ich wundere mich heute noch, wie das ganz schnell gegangen ist. Und ich merkte auch, wie ihm (Anm. Otto Strobl) beim Komponieren der Text zusagt, und wie der Text eine wirklich gute Stütze für die Musik ist; ein Oratorium ist ja eigentlich in erster Linie ein musikalisches Werk, und der Text sollte in Wirklichkeit animieren; den Komponisten dazu bringen, eine möglichst wunderbare Musik zu machen, ja, und Otto Strobl hat eine wunderbare Musik gemacht, und vielleicht war daran der Text nicht unbeteiligt. D: Ich glaube, da muss einen auch eine große persönliche Freundschaft verbinden, dass man so ein schönes Werk zusammen machen kann. M: Das ist richtig. Also ich bin froh, mit ihm schon in den 70er-Jahren sehr eng befreundet gewesen zu sein. Wir haben sehr viele gemeinsame Vorlieben, wie zum Beispiel… aus der Literatur, aus der Musik, aus der Malerei, haben auch sehr viele Gemeinsamkeiten immer wieder besprochen; haben auch gemeinsame Freuden – zum Beispiel den Wein, der uns auch sehr verbindet. Ja, es ist eine wunderbare Zusammenarbeit, ich habe auch ein Buch geschrieben, in dem alle Libretti zusammen erschienen sind; und das war für mich schon auf eine Art ein Teil meines Lebens. Die Arbeit mit Otto Strobl ist ein Teil meiner Persönlichkeit. D: Welche Verbindung haben Sie aus heutiger Sicht noch zu diesem Werk? M: Ich habe es mir für den jetzigen Anlass eben noch einmal angeschaut und durchgelesen und bin überrascht, dass das wirklich „wie heute“ klingt. Ich glaube, dass auch der Text heute durchaus noch vor einem kritischen Auge bestehen kann – wie auch die Musik selbstverständlich vor einem kritischen Hörer bestehen kann. Die Musik ist ja zeitlos. |
|
"Ein sanfter Fortschritt" – Interview mit Otto Strobl am 13.5.2007
T.B.: Anlässlich der neuerlichen Aufführung des Franziskus am 10. Juni
möchte ich mit Ihnen über seine Entstehungsgeschichte sprechen. O.S.: Die Geschichte des Franziskus ist ja eine zeitlose und allgegenwärtige. Durch Nachdenken und Gespräche mit meinem Freund Helmut Stefan Milletich bin ich mit ihm übereingekommen, dieses auch heute interessante und wichtige Thema zu bearbeiten. T.B.: Man sagt Ihnen einen unverwechselbaren Stil nach. Durch welche Besonderheiten zeichnet sich Ihrer Meinung nach Ihre Art zu komponieren aus? O.S.: „Besonderheit“ würde ich nicht sagen, es ist halt eine gewisse Stilrichtung, in der die Melodik des Chorals und die Harmonik des ausgehenden 19. Jahrhunderts vereint sind. T.B.: Sie haben ja schon von Herrn Milletich gesprochen; können Sie mir etwas über Ihre Freundschaft erzählen und wie diese Zusammenarbeit überhaupt zustande gekommen ist? O.S.: Helmut Stefan war zuerst ein Schüler von mir, dann wurde er Kollege am Gymnasium, und später an der Pädak. Unsere gegenseitige Freundschaft war und ist geprägt von Werten wie Achtung vor der traditionellen Musik und traditionellen Dichtung – dennoch ging es uns schon immer um einen gewissen sanften Fortschritt. T.B.: Die letzte Aufführung des Franziskus fand 1993 unter der Leitung von Eduard Kutrowatz statt. Welche Erwartungen hegen Sie bezüglich der jetzigen Aufführung? O.S.: Dass sie noch besser wird als die erste. Dass Fehler, die gemacht wurden, ausgemerzt sind, und man die Höhepunkte wieder findet, die damals schon vorhanden waren und heute wieder da sind. T.B.: Es wird mit Sicherheit ein tolles Konzert werden. Danke für das Interview. |