Als ich am Donnerstag, den 29. Mai in einem Hotel nahe dem Gasometer ankam,
wusste ich nicht so recht, was mich erwartete. Sehr aufschlussreich war der
Tagesplan, den man mir gegeben hatte nicht, und hätte ich ihn verstanden,
wäre es genauso nutzlos gewesen, denn es kam sowieso ganz anders.
Dass Pünktlichkeit hier nicht das oberste Gebot ist, erfuhr ich, als ich
mit meiner Gruppe erst eine halbe Stunde nach vereinbarter Zeit von einem leicht
overdressten Mann abgeholt wurde. Ungefähr eine halbe Stunde später
fand ich mich in einem kleinen Seminarraum mit acht anderen Leuten, die alle
ungefähr in meinem Alter und –nicht dass das wichtig wäre- zu
einem großen Teil weiblich waren, im zweiten Bezirk wieder.
Diesen Nachmittag erhielten wir einen Vortrag, begleitet von einer wunderschön
ausgeführten Powerpointpräsentation und den viel zu lauten Geräuschen
eines „mittelalterlichen“ Beamers. Da bekam ich eine ungefähre
Ahnung, worüber es in dem Seminar „Medienarbeit in der EU“
überhaupt ging. Der Vortrag belief sich an diesem Tag ausschließlich
auf den Aufbau einer Schülerzeitung, was man beachten sollte und welche
Probleme auftreten können, vor allem in Bezug auf Druck und Recht. Der
Tag in dem kleinen, schlecht gelüfteten Raum endete mit zehn bestellten
Pizzas und dem Spielfilm „Wag the Dog“ mit Dustin Hoffman in der
Hauptrolle.
Der zweite Tag begann mit einem himmlisch guten Frühstück und der
in der ganzen Gruppe herrschenden Ratlosigkeit, was an diesem Tag kommen würde.
Wieder mit kleiner Verspätung wurden wir zur Vertretung der europäischen
Kommission und des europäischen Parlaments in Österreich gebracht
- einem hochhausähnlichen Gebäude mit viel zu guter Klimaanlage. Hier
erfuhr ich, warum das Wort „EU“ in dem Titel des Seminars enthalten
ist. Wir erhielten verschiedene Vorträge von einem leicht nervösen,
stärker gebauten Mann von der Kommission, von einem Mitarbeiter des europäischen
Parlaments mit leichtem Zungenschlag, von einer Korrespondentin, die mehrere
Jahre in Brüssel gearbeitet hatte und, was für viele aus der Gruppe
den Höhepunkt bildete, von dem ehemaligen Außenminister unter Kreisky
Dr. Willibald Pahr. Er erzählte über seine Arbeit als Außenminister
und die Entstehungsgeschichte der EU, so wie er sie miterlebt hatte. Außerdem
bekamen wir Informationen über den EU Reformvertrag und die EU im Allgemeinen.
Der Tag endete mit einem Besuch im Haus der Musik und dem Match Österreich
gegen Malta.
Am dritten und letzten Tag befanden wir uns wieder in dem kleinen Seminarraum
im zweiten Bezirk. Jetzt kam der Teil mit den „richtigen“ Medien.
Zu Besuch kamen ein freier und ein Journalist des Online-Standard. Da auch der
Mann, der als freier Journalist arbeitete, schon zuvor beim Standard gearbeitet
hatte, konnten wir ihn über den Alltag in einer Redaktion und seine Ausbildung
ausfragen. Das Seminar endete zu Mittag mit der ersten Person, nämlich
mir, die noch vor dem abschließenden Würstelessen den Seminarraum
verließ.
Die drei Tage in Wien bei dem Seminar waren zum Teil mit neuen und zum Teil
mit Inhalten, die ich schon wusste, gefüllt. Die Leute waren nett und die
Vortragenden meistens, zumindest oft, gut. Das einzige, was es an dem Seminar
auszusetzen gäbe, wäre nur, dass nur wenig praxisnah gearbeitet wurde.
(Und dass die Dusche im Hotel genau im Raum stand, aber das tut hier nichts
zur Sache.)
Judith Pallitsch