Die Lillehammer-Affäre

1972 kam es bei den Olympischen Spielen in München zu einem Massaker an israelischen Sportlern durch die Terrorgruppe „Schwarzer September“.
In der anschließenden Rache-Operation, die öffentlich als „Operation Wrath of God “ (dt. Der Zorn Gottes) bezeichnet wurde, begann der israelische Geheimdienst vermutliche Drahtzieher hinter dem Attentat in München zu exekutieren.

Doch die Operation stieß an ihre Grenzen, als es am 21. Juli 1973 in der norwegischen Stadt Lillehammer zur Liquidierung von Ahmed Bouchiki kam.
Das Problem an dieser Operation war, dass Ahmed Bouchiki kein Terrorist, sondern ein Zivilist war, der durch Falschinformationen zur Zielscheibe der Attentäter der Caesarea-Einheit wurde, die Einheit, die sich um die Drahtzieher von München „kümmern“ sollten.

Ahmed Bouchiki lebte zu diesem Zeitpunkt schon 8 Jahre in Norwegen und hatte eine schwangere Frau und 2 Kinder.
Sein Tod ist auch auf die nicht gewissenhafte Überprüfung zurückzuführen, da sich Ahmed Bouchiki äußerlich vom gesuchten Ali Hassan Salameh unterschied, der erst Jahre später durch eine Autobombe getötet wurde – mit ihm starben einige seiner Leibwächter wie auch unschuldige Personen.
Ahmed Bouchiki war zum Beispiel kleiner als der gesuchte Ali Hassan Salameh, hatte auch nicht die kennzeichnende Narbe und sprach fließend Norwegisch.
Auch dass er mit einer Norwegin verheiratet war, hätte zeigen müssen, dass es sich bei ihm nicht um den gesuchten Terroristen handelte.
Trotz der Äußerung zweier Mossadagenten, dass es sich um den falschen Mann handelte, wurde die Aktion durchgeführt und Ahmed Bouchiki durch insgesamt 14 Schüsse getötet.

Zwei der Agenten konnten verhaftet werden, als sie ein gemietetes Fluchtauto zurückgeben wollten und verrieten ihre Kameraden. 3 Männern des Operationteams gelang die Flucht.
Von den Verhafteten wurde einer freigesprochen, die anderen bekamen Haftstrafen von maximal 5 Jahren (keiner von ihnen zählte zu den Todesschützen), wurden jedoch nach spätestens 22 Monaten wieder aus der Haft entlassen.

Erst 1996 leistete die israelische Regierung Entschädigung an der Familie, gab jedoch niemals zu, dass sie an der Ermodung Schuld hätten.

Peter Leeb