Verhaltensvereinbarungen – Die 10. Gebote
Den Dienstag, 4.12.2007, könnte man fast als historisch wichtigen Tag bezeichnen:
Mit den salbungsvollen Worten: „Wir wollen nicht verordnen, sondern vereinbaren“
leitete der Direktor die Wiederaufnahme eines der wohl wichtigsten Projekte
unserer Schule ein – die Verhaltensvereinbarungen waren wiedererstanden.
Seit einiger Zeit seien sie nun schon brachgelegen – quasi fix
und fertig ausgearbeitet – und doch seien sie dabei fast vergessen worden:
Alle an der langwierigen Entwicklung beteiligten Schüler hätten maturiert,
nicht alle Lehrer seien dem Projekt schon von Anfang an mit gebührendem Enthusiasmus
gegenübergestanden, und die Eltern wechselten bekanntlich mit den Schülern.
Die ganze Arbeit soll aber nicht umsonst gewesen sein; denn nun wolle man
die „10 Gebote“ einer neuen Generation von Lernenden nahe bringen.
Durch die Involvierung neuer Personen werde ein Prozess fortgesetzt,
der nur durch stetige Weiterentwicklung am Leben gehalten werden könne –
ein aktiver DEESK (Deeskalations-)beirat trage den Löwenanteil dazu bei.
Sowohl Lehrer als auch Schüler und Eltern seien darin vertreten; alle drei
Schulpartner nähmen darin gleichwertige Positionen ein – alle könnten ihn
bei Bedarf einberufen.
Das Ziel dieses „Zentralorgans“ sei bei Weitem nicht die Außerkraftsetzung
der Schulordnung – stattdessen solle mit „Lösungen im Sinne der Partnerschaft“
eine „qualitative Verbesserung des Klimas“ an unserer Lehranstalt erreicht
werden.
Über die Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens wird man sich wohl kaum streiten
– viel eher ist es zweifelhaft, ob solch hehre Ziele wie die oben genannten
in unserer Umgebung jemals erreicht werden können. Auf jeden Fall wäre es
etwas ganz Großes und Bewundernswertes, doch muss wohl bedacht werden, dass
man es hier mit neuerungsträgen Österreichern – viel mehr noch – mit Eisenstädtern
zu tun hat.
In der Realität wird es wahrscheinlich so aussehen, dass einige
wenige schuften und dieses Projekt mit vollstem Einsatz tragen, der Großteil
aber hauptsächlich durch Wurschtigkeit glänzt. (Der Anteil an bewussten Saboteuren
darf vernachlässigt werden.) Wie der Direktor durchaus nachvollziehbar feststellte,
können leider nur mit allgemeiner Zustimmung und Teilnahmebereitschaft auf
lange Sicht Erfolge gefeiert werden – ohne die steht ein bedauernswert steiniger
Weg bevor; und zwar für die, die mitarbeiten.
Doch da wir ja jetzt unvermeidlich in der Weihnachtszeit gelandet sind
und laut in die Welt hinausschreien, dass wir uns gegenseitig nur das Allerbeste
wollen, wird hoffentlich neben dem routinemäßigen Betätigen der Stimmbänder
Gehaltvolleres drin sein: Insofern ist genau jetzt der ideale Zeitpunkt dafür,
den langen Reden endlich einmal gute Taten folgen zu lassen.
Theodora Bauer
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