Die Mafia in Neapel

Im  Jahr 2006 verließen 9103 Menschen Neapel und selbst eine 103-Jahre alte Frau unterzog sich den Strapazen eines Umzuges von Neapel nach Rom.
Der Grund dafür ist einfach wie dramatisch: In Neapel hat die Mafia das Sagen und regiert mit eiserner Hand.

Dabei handelt es sich um den Clan der Camorra, was übersetzt so viel wie „Die Schläger“ bedeutet.
Nach dem Stand von 30.08.2007 gab es in alleine in diesem Jahr 70 Morde, was einen Durchschnitt von einem Toten alle 3 Tage ergibt.
Dazu kommen noch Brandanschläge hinzu, die dazu dienen, um Leute unter Druck zu setzen, damit sie das geforderte Schutzgeld zahlen.
Ein Opfer dieser Brandanschläge ist auch Silvana Fucito, die sich gegen diese Forderungen nach Schutzgeld zur Wehr gesetzt hatte und sich mittlerweile nur noch mit 4 Bodyguards auf den Straßen bewegen kann.
Sie zeigte die Brandstifter nämlich an und alle 15 wurden zu 12 Jahren Haft verurteilt.
Desweiteren gründete sie die Kaufleutevereinigung gegen Schutzgeldzahlungen.
Man vermutet, dass 80% der Geschäftsleute in Neapel Schutzgeld bezahlen.
Die Logik hinter den Schutzgeldzahlungen ist, dass man damit die Autorität des Staates untergräbt, weil man durch Erhebung einer Steuer selbst zum Quasi-Staat wird.

Um die Mafia weiter zu bekämpfen, werden in der ersten Woche an Baustellen Polizisten abgestellt, die sich als Bauarbeiter ausgeben.
Der Kreuzzug der Silvana Fucito scheint zu funktionieren. 2002 gab es 8 Anzeigen wegen Schutzgeld, 2006 waren es schon 900.
Dieser Kreuzzug beschränkt sich nicht nur auf Italien, Fucito startet auch Kampagnen in Ländern wie Irland.

Die Arbeitslosenquote in Neapel liegt bei 60% und trotzdem ist ein großer Teil der Menschen beschäftigt: Vor allem als Verkäufer von Handy-Aufladegeräten ohne Firmenlogos, Elektrogeräten und Flaschen mit angeblichem Markenparfüms, Raubkopien mit einheimischer Volksmusik und amerikanischen Actionfilmen, Tennissocken aus China, Gucci-Sonnenbrillen und Louis-Vuitton-Taschen aus den Fälscherwerkstätten des Hinterlandes.

Insgesamt gibt es in Neapel 2200 Polizisten, von denen 640 aus gesundheitlichen Gründen vom Straßendienst zurückgetreten sind.
Dramatisch wird es, wenn die eigenen Leute für die Mafia arbeiten, so gab es einen Fall, wo ein Polizist für zwei verschiedene Familien gearbeitet hat.
Die Einwohner beschreiben Neapel selbst als einen furchtbaren Ort, wo das Gesetz des Stärkeren gilt.
Kameras, die Neapel überwachen sollen, um den Taschendiebstahl zu vermindern, sind defekt und werden nicht repariert.

Peter Leeb