Gut kombiniert- aber unglücklich verloren.

Dominik Prieler und Paul Hahnenkamp

Österreich-Deutschland 0:3

Österreich gegen Deutschland, das erste Ländermatch im neuen Jahr, ging vor 48.500 Zuschauern im Happel-Stadion über die Bühne. Das ÖFB-Team spielte über lange Phasen mit großem Elan und weitaus besser als erwartet, scheiterte aber bei „hundertprozentigen“ Torchancen. Als die Spieler von den Kräften verlassen wurden, war es um die Mannschaft geschehen.
Im Vorfeld hatte alles gegen Österreich gesprochen. Da die Bundesliga in Österreich noch nicht begonnen hatte, war man davon überzeugt, dass die Spieler noch zu wenig Spielerfahrung sammeln hatten können. Aber im laufe des Matches sah man, dass Josef Hickersberger diesmal mit seiner Auswahl nicht nur auf dem Papier einen Goldgriff getan hatte. Er mischte durch, setzte auf Legionäre (die schon dieses Jahr gespielt hatten) und schickte sechs von ihnen von Beginn an aufs Feld.

Das Spiel

Die Stimmung im fast ausverkauften Ernst-Happel-Stadion, das auch Schauplatz des EM-Finales sein wird, war hervorragend. Vor dem Ankick ertönte der Radetzkymarsch, das Publikum spürte, dass das Team bereit war, alles zu geben, um nach so vielen Versuchen das deutsche Team endlich schlagen zu können. Auch der Teamchef hatte deshalb eine sehr offensive Aufstellung bekanntgegeben. Mit der 3-5-2-Aufstellung war das Team auf Offensive eingestellt. Die Österreicher warfen Aggressivität in die Waagschale, sie bewiesen Courage, so rissen sie die Fans auf ihre Seite.

An einem scheiterte jedoch alles: an den Toren. Nach der 1. Halbzeit hätte Österreich mit 3:0 in Führung liegen können. Doch alle Chancen wurden vergeben, teils auch mit Pech. Einmal traf Harnik nach einer Traumflanke nur die Latte. Ein wenig später scheiterte Fuchs an Lehmann, dem er nur ans Bein schoss. Doch die meisten Chancen vergab Linz, der es zwar mehrmals bis vors Tor schaffte, aber dann scheiterte. Währenddessen konnte die DFB-Auswahl nur einmal durch Ballack gefährlich werden. Michael Ballack selbst war an diesem Abend der schwächste Spieler. Er verlor im Mittelfeld etliche Bälle an Österreich, sodass sogar der ORF-Kommentator sagte „…und schon wieder hat Ballack den Ball verloren“. Die rotweißrote Abwehr konnte die Deutschen Stürmer eindeutig in Schach halten, sodass diese keine ernsthaften Torchancen hatten.

Nachdem die Österreicher in der ersten Hälfte mit ihrem großem Tempo die Deutschen überrumpeln konnten, ebbte dieses nach der Pause ab. Das nutzten die Deutschen aus und binnen zehn Minuten schoss die Löw-Mannschaft einen 2:0-Vorsprung heraus. Das erste Tor dabei war ein glücklicher Weitschuss von Hitzelsberger, der nicht unhaltbar war und das zweite Tor schoss nach einem abseitsverdächtigen Pass Klose. Das 3:0 durch Gomez war jedoch ein Geschenk von Torhüter Manninger, der unverzeihlich patzte.
Trotzdem war das Spiel ein Ereignis, da die Österreichische Mannschaft vor allem in der 1. Hälfte zeigte, was sie kann.

Insgesamt wirkte die Mannschaft jedenfalls deutlich frischer als im vergangenen Spätherbst. Unsicherheiten schienen wie weggeblasen, der Wille zum Sieg war deutlich zu spüren.. Österreich spielte! Zumindest phasenweise.
Im heurigen Jahr folgen noch weitere europäische Topteams. Das nächste Kräftemessen findet wieder im Wiener Ernst Happelstadion, aber diesmal gegen die Niederlande statt. Dort hat die ÖFB- Auswahl die Chance, das Land noch in EM- Euphorie zu versetzen.
Aber auch abseits des Rasens merkte man, dass Österreich noch nicht 100% EM tauglich ist. Sowohl bei der Anreise als auch bei der Abfahrt der Fußball-Fans gab es erhebliche Probleme. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren hoffnungslos überfüllt
Ein Stau nach einem Unfall auf der Tangente sorgte bei der Hinfahrt zum Spiel für Chaos. Besonders betroffen war der Praterstern. Als sich der Stau aufgelöst hatte, kamen die Match-Besucher haufenweise zu den Straßenbahn- und Bus-Stationen um das Stadion. Die Fortbewegungsmittel mussten auf Blockabfertigung zurückgreifen. "Das ist für die Betroffenen vielleicht unangenehm, aber so geht es schneller", erklärte Johannes Ehrengruber von den Wiener Linien.
Bei der Rückfahrt war die Situation nicht viel besser. Tausende Besucher mit Bussen und Straßenbahnen mitzunehmen, stellte sich als nicht so einfach heraus wie geglaubt- besonders, da die Straßen und Gleise mit Fans vollgestopft waren. Nur ein paar Fahrzeuge standen unmittelbar nach Spielende für die vielen Fans bereit, welche aber nach wenigen Minuten auch keine Anhänger mehr mitnehmen konnten.