Menschenhandel – oder der internationale Fußball

Die UEFA Euro 2008 steht kurz bevor und schon viele von uns sind gespannt auf die erbitterten Duelle zwischen starken Männern, die alle denselben Traum haben, berühmt zu werden. Doch in letzter Zeit erregen besonders die Youngstars immer größer Aufmerksamkeit. Denn wenn ein milchgesichtiger Bursche von kaum 18 Jahren, einem alten Helden den Ball abnimmt, oder ihn überdribbelt, kriegt sich das Stadion  mindestens für mehrere Minuten nicht mehr ein und feiert ihren neuen Liebling. Dass es den Nachwuchstalenten an Können mangelt, wäre vermessen zu sagen, denn in fast allen großen europäischen Klubs stehen Megatalente aus aller Welt unter Vertrag, um in Zukunft ihren Platz in der ersten Mannschaft zu finden. Das ganze ist ja schön und gut, von wegen Jugend vor, aber immer öfter gleitet die Geschichte ins Negative ab und es kommt zu einem, regelrechten Menschenhandel, gekoppelt mit einem Kampf der Topklubs um immer jüngere Spieler, manchmal sogar noch Kinder. Ein Beispiel dafür:

Wir befinden uns auf einem Trainingsgelände des renommierten brasilianisch Fußballvereins Corinthians Sao Paulo und sehen einem jungen, hoffnungsvollen Brasilianer beim Training mit dem Ball zu und staunen über dessen außergewöhnliches Können. Die Rede ist von Luiz Marcelo Morais dos Reis, genannt Lulinha. Dieser, im deutschsprachigen Raum nur unter Experten bekannte Spieler, gehört zu den größten Talenten seiner Generation weltweit. Der 17 jährige Mittelfeldspieler wird von mehreren Klubs umworben und sein Verein zieht die Konsequenzen daraus: Sie formen seinen Vertrag insofern um, dass mögliche Interessenten über 50 Millionen Us Dollar zahlen müssten, um ihn zu verpflichten. 5o Millionen für einen 17 jährigen! Manch einer könnte sagen, schön, dass dem Verein so viel an seinem Jungstar liegt, aber falsch gedacht! Junge Spieler werden in Brasilien immer mehr zu Produkten der Wirtschaft, zu Exportgütern, ähnlich wie Bananen. Auf den Einzelnen wird dabei kaum Rücksicht genommen, auch wenn er beinahe noch ein Kind ist. Lulinha ist keinesfalls ein Einzelfall, mehrere seiner Landsleute, andere Südamerikaner, Afrikaner und auch Europäer werden immer häufiger zur Jagdbeute der Scouts, die ein Talent auch noch im letzten Winkel der Welt aufstöbern, eintüten und dann stolz der Öffentlichkeit in Europa als neuen Ronaldinho vorstellen. Wohin das alles noch führen könnte, sollte jeder selbst interpretieren.

Tobias Scheidl