Ein Versäumnis, das acht Jahre kosteteVor eineinhalb Jahren gelang Natascha Kampusch nach acht Jahren Gefangenschaft im Haus von Wolfgang Priklopil die Flucht. Am Dienstag kam nun der „Ermittlungsfehler“ der Polizei ans Licht, die nur kurz nach Kampuschs Entführung einen Hinweis von einem Hundeführer der Wiener Polizei, der in der Nähe von Priklopil gewohnt hatte und der Polizei diesen als „"Eigenbrötler", welcher mit seiner Umwelt extreme Schwierigkeiten und Kontaktprobleme“ und „einen Hang zu "Kindern" in Bezug auf seine Sexualität habe“, beschrieben hatte. Der Mann gab der Polizei sogar das Aussehen des Mannes, dessen Namen er damals nicht kannte, bekannt. Dieser Hinweis, der Natascha Kampusch acht Jahre früher aus ihrem Kellerverlies hätte bringen können, wurde jedoch ignoriert. Nicht der einzige „Fehler“ Zudem ist in den letzten Tagen bekannt geworden, dass Wolfgang Priklopil, wie von der Polizei noch nach der Flucht von Natascha Kampusch aus ihrem Gefängnis dargestellt wurde, kein Alibi hatte. Ganz im Gegenteil: Denn im Polizeibericht ist eindeutig dokumentiert, dass Priklopil auf die Frage, wo er denn am 2. März 1998, dem Tag der Entführung, gewesen sei, lediglich geantwortet hätte, dass er allein zu Hause gewesen war. Nun wird über eine „Vertuschungsaktion“ seitens der Polizei gesprochen. Neuer psychischer Druck Natascha Kampusch zeigt sich nun, in Bezug auf die Anschuldigungen, bestürzt und wütend. Wer schuld an diesem Fiasko ist, wird jetzt geprüft. Jedoch stellt sich die Frage, ob das erneute Aufrollen des Falles Natascha Kampusch, vor allem in der Öffentlichkeit, nicht auch den Druck auf Natascha Kampusch wachsen lässt. Denn jetzt, da allmählich Ruhe eingekehrt war, konnte man ihr Zeit lassen, das Erlebte zu verarbeiten. Und obwohl Kampusch sich noch nie aufgebracht oder wütend, immer mit einem „Maskengesicht“, gezeigt hat, kann man sich vorstellen, was diese neuen Ereignisse bei ihr auslösen. Anwalt droht mit Klage Nun droht Natascha Kampuschs Anwalt mit einer Amtshaftungsklage. Diese kommt zum Einsatz, wenn „die Organe in Vollziehung des Gesetzes rechtswidrig oder schuldhaft gehandelt haben“. Meistens wird dabei gleich ein Ersatz angeboten. Das heißt, dass Natascha Kampusch im Falle einer Klage, vom Staat viel Geld als Entschädigung für das versäumte Reagieren auf die offensichtlichen Beweise bekommen würde. Ob das Geld, das Natascha Kampusch, die auf psychische Betreuung und finanzielle Unterstützung natürlich angewiesen ist, bekommen würde, eine wirkliche Entschädigung für den Verlust von acht Jahren ist, wage ich aber zu bezweifeln. Judith Pallitsch |