US-Satellit außer Kontrolle

Ein US-Aufklärungssatellit ist außer Kontrolle geraten und wird auf die Erde stürzen. Die Trümmerteile könnten gefährliche Materialen enthalten, warnen die Experten. Wo der Satellit einschlagen wird, halten die Regierungsbehörden allerdings geheim.
Dieser Satellit könnte Ende Februar oder Anfang März auf die Erde stürzen. Er habe keine Energie und keinen Antrieb mehr, so Gewährsleute in Washington.
Gordon Johndroe, der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, meint, dass die zuständigen Regierungsbehörden die Lage stets beobachten und versuchen, die Schäden abzumildern, die der künstliche Himmelskörper verursachen könnte. Es sei noch zu früh, darüber nachzudenken, ob man den Satelliten noch abschießen könne.
Zugleich versuchte Johndroe, Befürchtungen über mögliche Gefahren für Menschen zu dämpfen. „Viele Satelliten sind bereits auf die Erde gefallen, ohne einen Schaden anzurichten“, meint er. Meist zerbrechen oder verglühen sie, bevor sie die Erde erreichen oder sie fallen auf unbewohnte Gebiete.
Der Flugkörper enthält nach Angaben aus Regierungskreisen Hydrazin, einen Raketentreibstoff. Die farblose Flüssigkeit ist giftig. Bei einem unkontrollierten Absturz bestehe die Gefahr, dass geheime Dinge in die falschen Hände geraten, meint Militärexperte John Pike. Spionagesatelliten würden normalerweise kontrolliert über dem Meer zum Absturz gebracht, um zu verhindern, dass jemand Einzelheiten über sie erfahre. Pike erklärt, der Satellit wiege vermutlich neun Tonnen und habe die Größe eines Kleinbusses.
Der bisher größte unkontrollierte Wiedereintritt eines NASA-Flugkörpers war der des „Skylab“ 1979. Die Trümmer der 78 Tonnen schweren verlassenen Raumstation stürzten in den Indischen Ozean und richteten keinen Schaden an.

50 Jahre US-Satelliten

Am 31.Januar 1958 schoss die US-Armee den ersten amerikanischen Satelliten ins All. Der Start wurde durch einen Deutschen möglich.
Wernher von Braun, einst Hitlers Raketenbauer und nun im Dienste der US-Armee, hatte es geschafft. Die Rakete, ein Abkömmling der Nazi-Vernichtungswaffe V-2, enttäuschte ihren Erbauer nicht. Mit Explorer I beförderte sie den ersten amerikanischen Satelliten ins All.
Die USA hätte sogar früher ihren ersten Trabanten ins All schicken können. Im Juni 1955 hatte Präsident Dwight D. Eisenhower angekündigt, Amerika werde während des Internationalen Geophysikalischen Jahres, das am 1. Juni 1957 starten sollte, einen Forschungssatelliten ins All schicken.
Noch dazu konnte er von Braun nicht ausstehen. Er wollte nicht, dass ein Deutscher und ehemaliger SS-Mann Amerika ins All bringt. Und er wollte erst recht nicht, dass das mit einem Gerät geschieht, dessen Vorläufer die Nazis als Waffe einsetzten - einer Rakete, an der das Blut tausender Zivilisten und Zwangsarbeiter klebte. Eisenhower gab daher dem Vanguard-Programm den Zuschlag, zumal deren umgebaute Forschungsrakete die von ihm propagierte friedliche Erkundung des Weltalls unterstrich.
Dennoch durften auch von Braun und sein Team, dem viele Forscher aus der ehemaligen Heeresversuchsanstalt Peenemünde angehörten, ihre Rakete weiterentwickeln.

Victoria Dlugopolski