Ballungsräume – der 18.1. in Nahaufnahme
Nun, der Ball ist vorbei, und das Resümee, das zu ziehen bleibt, ist wohl ein eher nüchternes: Ein Schulball wie jeder andere, und dennoch wird er mir im Gedächtnis bleiben – meiner schlichten Teilnahme wegen.
In manchem Sinne fand da am 18. Jänner ein idealer, ein typischer Schulball statt – voll von Unausgegorenem, voll von dem alten Lied des Erwachsenwerdens, voll der rituellen Loslösung vom Elternhaus; das meistens kollektiv vertreten und mit Kameras aller Entwicklungsstufen den Ritus komplettierte. Die Augen glänzten, wenn schon nicht im Kerzengeflacker, dann wenigstens im fahlen Schein der dekorativ aus den Wänden des Kulturzentrums stechenden Leuchtkugeln. Man hatte sich bemüht, das wurde zur Kenntnis genommen – es hing alles da, wo es hängen sollte, wenn auch schüler-schäbig in charmanter Unvollendung. Bevor man sich hingesetzt hatte, hatte man die Tische auf Platzkarten hin untersucht – war der eigene einmal gefunden, wurde das Revier unbarmherzig verteidigt. Den Fotoapparat im Anschlag, musste man doch freie Sicht wahren auf die in blendendem Weiß wimmelnden Sprösslinge.
Man wartete vergeblich auf vielversprechende Dunkelheit; so mancher gut situierte ältere Herr verspannte sich unmerklich, als die Jugend in holperndem Dreiviertelschritt hereinwankte. Man hatte aufgeregt zu sein; es tanzte hier schließlich das eigene Erbgut, wenn auch mit Attribut. „ Insere is die Schenste“.
Bald hatte man auch das traditionelle Versprühen Unmengen heißer Luft, das schon seit jeher mit großem Aufwand betrieben wurde, überstanden; endlich verdunkelte sich die Sicht; so mysteriös, wie jede konnte, begab sie sich nun in die Ecken; die schwarz Beanzugten waren schon vorher schnell zur Tür hinaus. Pflichtbewusst schritt man dann in die Schachbrettform, legte sich Daumen und Zeigefinger als neckische Pistole zurecht, mit der man dann in Verkennung aller physikalischen Tatsachen den symbolischen Amorspfeil zu schießen hatte: mit seltsam zuckenden Bewegungen, die in Urzeiten wohl zur zeitgenössischen Musik gepasst haben müssen, waberten die männlichen Gegenüber herein. Sie fungierten meistens als Drehstangen zur Fleischbeschau, als Kleiderständer zur Ausstellung der töchterlichen Wohlgestalt. Mitleid sei ihnen sicher.
Da wir uns fertiggedreht, die Sternformation als wankende Schneeflocke absolviert, und unseren Partnern die Herzas mit messbarer Erleichterung unter die Nasen gehalten hatten, ging es an den Kern des Österreichertums – Familie Strauß wurde wieder einmal bemüht. Zahlreiche Erzeuger erhoben sich nun zum Tanze, Väter mit glasigen Augen und Zufriedenheitsgesichtern drehten sich durch zwischen anderen, und waren, voll des eingebauten Zeremoniells, offiziell und hauptamtlich stolz.
An Behauptungen, wie dann der Abend für meine Kollegen ausgesehen hat, möchte ich mich nicht wagen; und die Beschreibung meines Verbleibs wird es auch nicht vermögen, die Aufmerksamkeit meiner werten Leser auf sich zu ziehen – somit bleibt mir nur die Feststellung, die einzige, die in universeller Gültigkeit immer zutrifft: Es war sehr schön. Es hat mich sehr gefreut. Und hauptsächlich ist es vorbei.
Theodora Bauer
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