Gibt es eine Midlife-Crisis?
Wenn ältere Herren ihre Partnerin verlassen, ihren Job kündigen und sich ein Sport -Cabrio zulegen, vermutet man gern eine Midlife-Crisis. Aber gibt es diese Krise wirklich?
Im Leben vieler Männer kommt offenbar eine Zeit, in der der unbezwingbare Wunsch nach einem Sport-Cabrio, einer neuen Liebe, einem neuen Beruf oder überhaupt nach einem neuen Leben entsteht. Etwa im Alter zwischen 35 und 50 Jahren kleiden sich die Herrschaften in Leder und Leben eine bislang unterdrückte Leidenschaft für Motorräder aus. Sie entdecken, dass es noch immer Tanzlokale gibt – die inzwischen natürlich anders heißen.
Und sie ruinieren langjährige gut funktionierende Partnerschaften, indem sie Frauen nachsteigen, die ihre Töchter sein könnten. Sie kündigen gute Jobs und treffen ihresgleichen bei dem Versuch, den Mount Everest zu besteigen.
Entschuldigt wird dies alles mit zwei Worten: Midlife-Crisis
Was der Umwelt als für dieses Alter unangemessenes, albernes Verhalten erscheint, entpuppt sich als verzweifeltes Festhalten der verlorenen und unwiederbringlichen Jugend. Und tatsächlich sind die Betroffenen nicht immer lustorientierte Playboys, die sich weigern zu akzeptieren, dass die Zeit auch für sie abläuft. Sie leiden wirklich unter Unzufriedenheit, Unsicherheit und Stimmungsschwankungen. Sie sind häufig gereizt, wütend, ängstlich und traurig- und stecken andererseits häufig voller Tatendrang
Akute Auslöser können Entwicklungen im sozialen Umfeld sein, etwa die Auflösungen von Familienstrukturen, nachdem die Kinder aus dem Haus sind, die Trennung einer Partnerin oder der Tod der eigenen Eltern.
Dazu kommen spür- und sichtbare Veränderungen: die Potenz lässt nach, die Haare fallen aus, die Leistungsfähigkeit nimmt ab und das Körpergewicht zu. Und man ertappt sich dabei, wie man ein Interesse an der ANTI- Falten- Creme der Partnerin entwickelt.
Es gibt sie also wirklich, die Midlife-Crisis. Wenn sie sich allerdings zu einer echten Krise entwickelt, nennt man sie nicht mehr so. Und ein Problem wird sie nur für eine Minderheit.
Ricarda Roth |