Ski-Fliegen mit Horrorpotential
Am 20. Januar 2008 kamen die ersten Aufsehen erregenden Nachrichten direkt aus dem Krankenhaus. Scott Macartney sah sich sofort nach dem Aufwachen aus dem Tiefschlaf seinen schweren Sturz an: eine Videovorführung mit Horrorpotential.
Mit Tempo 141,2 raste der Amerikaner am Samstag in Kitzbühel aufs Ziel zu. Er war wohl nicht zu schnell, als ihn der letzte Hügel direkt in die Luft schoss, jedoch unvorbereitet.
Maccartney stieg auf etwa fünf Meter, geriet in Schräglage, drehte sich auf die Seite und schlug nach etwa 60 Metern auf der harten Piste auf. Rund 42.000 Zuschauern stockte der Atem, als auch noch der Helm brach. Danach rutschte er - an seinem 31. Geburtstag – bewusstlos ins Ziel. Nach einer Weile zuckte sein Körper. Dann lag er nur noch regungslos im Schnee. Kitzbühel verstummte.
Die Folge war ein isoliertes Schädel – Hirn – Trauma und er wurde in ein künstliches Koma versetzt. In der Nacht auf Sonntag wurde er dann „aufgeweckt“.
„Ich kann mich noch an alles erinnern – bis zum Sturz. Aber es geht mir immer besser“, so der Amerikaner in einem kleinem Interview beim ORF.
Der vorübergehend bewusstlose Macartney wurde unmittelbar im Ziel rund eine Viertelstunde ärztlich behandelt und dann mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Danach wurde das Rennen fortgesetzt.
Er sei auf der neurologischen Station im Krankenhaus Innsbruck zur weiteren Beobachtungen. Derzeit sei keine Operation notwendig. Außerdem habe der Skirennläufer einige Prellungen und Abschürfungen.
„Es geht um das Leben der Athleten. Der Zielsprung ist sinnlos“, meint Bode Miller, Maccartneys Teamkollege. Bis zu 80 Meter sind die Rennläufer bei den Trainingsläufen nach dem Schuss über den letzten Sprunghügel geflogen. Skilaufen am Limit durch enge Kurven und über wellige, vereiste Hänge wird zur weiteren Unterhaltung mit veritablem Skispringen verknüpft.
Bode Miller, der Sieger von Wengen, kam auf der Streif zeitgleich mit dem Österreicher Mario Scheiber als Zweiter ins Ziel. Bei der Ausfahrt des Steilhangs drückte es ihn aus der Ideallinie mit beiden Ski, etwa zehn Meter über eine Werbebande.
Der Amerikaner war mit der Startnummer 2 ins Rennen gegangen, danach bekam keiner der 61 weiteren Läufer Probleme am Zielsprung.
Victoria Dlugopolski |