"Diese Jammergestalten"

Sybille Berg, Journalistin bei der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“, sucht vergebens nach „richtigen“ Autoren auf der Frankfurter Buchmesse. Diese größte und bekannteste Buchmesse der Welt steht für Qualität und Ehrungen für berühmte Autoren und deren Werke. Doch wen soll man auszeichnen, wenn es keine potenziellen Kandidaten für die Preise gibt?
Frau Berg fragt, wer denn heutzutage eigentlich noch Bücher schreibe. Die Antwort ist schnell gefunden, auch wenn sie trauriger nicht sein könnte: Der Großteil der vertretenen Bücher stammt aus der Feder von Fernsehköchen, Fußballern, Moderatoren, literaturfremden Politikern oder Fans, von längst verstorbenen Persönlichkeiten. Von ebenjenen werden dennoch unzählige Bücher verkauft, der einzige Grund, warum sie geschrieben werden - nicht um der Welt die Meinung zu sagen oder sie zu revolutionieren. Die Autorin der „Zeit“ kritisiert auch das Kaufverhalten der Konsumenten: Sie seien noch nie die Schlausten gewesen und auch das Bilden einer eigenen Meinung sei auch nicht ihre Stärke. Die alte Generation muss auch irgendwie den (hoffentlich nur) momentanen Tiefpunkt der Literaturqualität überwinden, um nicht auf dem gleiche Niveau der restlichen Leser zu landen. Der einzige Weg dies zu überwinden: Bücher wieder lesen und wieder und wieder. Sybille Berg meint, es komme nichts mehr nach. Vielleicht hat sie recht, vielleicht sieht sie ja aber dann nächstes Jahr in Frankfurt neben Jörg Pilawa und Edmund Stoiber noch weitere Stars, die nichts mit Literatur am Hut haben. Der Trend geht weiter. Auch nach Österreich.

Klemens Kumer