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Deadwood
- Staffel 1
Erscheinungsjahr: 2004 (1 von 3 Staffeln)
Genre: Western/Drama
Darsteller: Timothy Olyphant, Ian McShane, Molly Parker und weitere
FSK: Ab 16
Laufzeit: ca. 10 Stunden
Inhalt:
Im Jahre 1876 wurde Deadwood gegründet. Eine Stadt mit reichem
Goldvorkommen und ohne Staatszugehörigkeit und damit ohne
Gesetze.
Gemeinsam mit seinem Partner, dem Österreicher Sol Star, macht
sich der ehemalige Marshall Seth Bullock auf, um in Deadwood
einen Eisenwarenhandel zu eröffnen.
Auch Western-Legende Wild Bill Hickock und dessen Gefährten Charlie
Utter und Calamity Jane wollen in Deadwood ihr Glück versuchen.
Einer der ersten in Deadwood, der nicht kam, um nach Gold zu
suchen, war Al Swearengen, ein durchtriebener Saloonbesitzer,
der stets im Hintergrund seine Pläne ausheckt, für die ihm auch Morde als
ein geeignetes Mittel erscheinen.
[Url=http://www.imdb.com/title/tt0348914/] imdb: 9.3 [/URL]
Meinung:
Deadwood ist keine Fernsehserie im klassischen Sinn, wie sie
sich im deutschsprachigem Raum durchgesetzt haben.
Viel mehr zählt Deadwood zu den anspruchsvolleren Serien, die
nicht auf einen Gag nach dem anderen aufbauen und ist damit eher
nichts für das Abendprogramm des „durchschnittlichen“ Fernsehers.
Dafür gibt es Serien wie „Malcolm Mittendrin“ oder „King of Queens“.
Vermutlich ist das auch der Grund, warum Deadwood hierzulande
nie ausgestrahlt wurde. Andere, in Amerika erfolgreiche TV-Serien
wie „The Shield: The road to justice is twisted“ (Deutsch: The Shield: Gesetzt
der Gewalt), die sich wegen ihrer Einzigartigkeit zu Quotenhits entwickelt
haben - derzeit gibt es 7 Staffeln in Amerika - schaffen es hier nicht einmal
genug Zuschauer zu fesseln, damit man die erste Staffel überhaupt beendet.
In Amerika war Deadwood ein Erfolg, was nicht zuletzt auf das
ungewöhnliche Westernszenario zurückzuführen ist. Doch wer statt
tiefgründiger Charaktere lauter Clint Eastwood-Verschnitte erwartet, täuscht
sich in Deadwood.
Schießereien gibt es nämlich in der ersten Staffel kaum. (Ich
bezweifle auch, dass sich das in den anderen beiden und hoffentlich
möglichen folgenden ändert.)
Überhaupt: Statt auf Unterhaltungswert durch Gags setzt Deadwood
auf Charaktere, wovon die meisten historische Personen sind,
wie etwa Seth Bullock, der ewige Streiter des Gesetzes, dessen Partner Sol
Star als klassischer jüdischer Geschäftsmann, der jeden Penny zweimal umdreht,
der gerissene Al Swearengen, der mit seinen beiden Handlagern Dan und Johnny
als der örtliche Pate fungiert und natürlich auch Westernlegende Wild Bill
Hickock und dessen Gefährten Charlie Utter und Calamity Jane sind und sie
alle haben gelebt und waren auch in Deadwood. Nur so mancher muss sich eben
mit fiktiven Ereignissen herumschlagen.
Dabei weiß jeder der Charaktere zu überzeugen, außer Timothy
Olyphant, der vielleicht in seiner Rolle als Seth Bullock etwas
zu steif agiert, aber das ist Geschmackssache und das will ich dem guten
Mann auch gar nicht vorwerfen, denn das steht so im Drehbuch (Dass er den
Hitman-Film dreht, ist hingegen unverzeihlich…)
Die ersten paar Folgen gibt man sich große Mühe, die „Bösen“,
also Al, Dan und Johnny als fies darzustellen, aber man hat wohl
schnell eingesehen, dass das nicht klappt.
Johnny ist mehr der tollpatschige Idiot, der zwar Straßenräuber
werden will, aber im Prinzip keiner Fliege was zu Leide tun könnte.
Dan schreckt nicht davor zurück, jemandem mit seinem Messer die
Kehle durchzuschneiden oder für Al jemanden auf andere Art zu
ermorden, aber auch das hat seine Grenzen und Dan kennt Prinzipien. Niemals
würde er jemanden töten, bei dem es nicht nötig ist.
Und Al selbst ist wohl der sympathischste „Bad Ass“ der Filmgeschichte.
Wäre er einer dieser klischeehaften Bösewichte, hätte er Johnny
alleine in der ersten Staffel schon ein paar Mal erschossen.
Gut, seine Freundlichkeiten gegenüber gewissen anderen Menschen
möchte ich hier aus Jugendschutzgründen nicht aufzählen, aber
wenn man die Figur des Al Swearengen versteht, muss man sie einfach mögen.
Das „Gem“, sein Saloon, ist seine Welt, und wenn jemand glaubt
sie zerstören zu müssen, wird er beseitigt.
Hinzu kommt seine Beziehung zu seiner Angestellten Trixie, eine
Frau des zweifelhaften Gewerbes, mit der er auch eine eigenartige
Hass-Liebe-Beziehung führt und natürlich seine verkrüppelte Putzfrau, die
zu beschimpfen es schon ein tägliches Ritual ist, doch wehe dem, der ihr
etwas antun würde, denn wenn er das Nachschleifen des Fußes am morschen Holzboden
nicht hört, ist für Al der Tag gelaufen.
Als weiterer „Bad Guy“ lässt sich noch Cy nennen - als direkter
Konkurrent, der nach einigen Folgen sein Bordell und seinen Saloon
„Bella Union“ in der Stadt eröffnet. Seine beiden Partner wissen zu gefallen,
wie etwa Dan und Johnny im „Gem“, doch im Gegensatz zu Al ist er einer derjenigen,
den man ohne weiteres durchgehend hassen kann, da er um einiges
böser als Al Swearengen ist.
Die „Guten“ sind nicht weniger sympathisch, kommen aber gegen
eine Charaktergröße eines Al Swearengen nicht ganz an.
Seth Bullock, wie bereits erwähnt, kommt eher als steifer Sheriff
daher, der er eigentlich nicht sein will und Wild Bill Hickock
ist auch ein Charakter für sich.
Einerseits verschlossen, auf der anderen Seite auf seine eigene
Art überzeugend.
Seine beiden Gefährten Charlie Utter und „Mannsweib“ Calamity
Jane haben auch ihre Stärken und Schwächen, mir persönlich gefällt
Sol Star jedoch am besten.
Er ist stets der kluge Geschäftsmann und versucht zu Beginn den
Kauf der Parzelle für ihren Stand zu sichern, den Bullock mit
seiner privaten Fehde zu Swearengen immer wieder zu zerstören droht.
Noch dazu ist er ein in Österreich geborener Jude, was schon
mal ein großes Plus für Patrioten ist.
Ich könnte noch auf die anderen Charaktere eingehen wie den Ortspriester
Smith oder den Doc, doch viel wichtiger ist, was mit diesen Charakteren
geschieht.
Im Vergleich zu den Sitcoms, die hierzulande großen Anklang finden,
jede Menge.
In Deadwood gibt es kaum Nebenhandlung, viel mehr ist das ganze
keine 12-episodige TV-Serie, sondern viel mehr ein 10 –Stunden
Film und in deren Mittelpunkt stehen die Charaktere mit ihren Problemen und
Geschichten, und deshalb weiß Deadwood, trotz mangelndem Body-Count, auf
den vor allem die heutige Jugend doch so abfährt, zu überzeugen und zwar
von der ersten Minute an.
Doch wegen des Mangels an Toten sollte man sich nicht einreden,
dass Deadwood harmlos wäre. Es wird permanent geflucht und geschimpft,
und zwar auf eine Weise, dass man die Drehbuchautoren schon dafür für ihre
Kreativität loben möchte.
Außerdem: Wenn in Deadwood jemand stirbt, dann ganz sicher nicht
harmlos. Sei es durch einen Kopfschuss, nachdem einem die Schädeldecke
auf offener Straße eingeschlagen wurde, durch Ertränkt - Werden, Verbluten
durch Bauchschuss usw.
Insgesamt kann man dazu sagen, dass ungefähr 1 Person pro Folge
getötet wird.
Um abschließend noch zu einem kurzen Fazit zu kommen:
Wer auf das ungewöhnliche Westernszenario, Intrigen, tiefgründige
Charaktere steht, sollte sich die erste Staffel von Deadwood kaufen.
Ich selbst schaue gerade die zweite und werde mir wohl auch bald
die 3. Staffel kaufen.
Peter Leeb
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