Alles wird gut

Wenige Stunden vor Anpfiff eines vorentscheidenden Spiels der österreichischen Fußballnationalmannschaft, wo es um die Karriere des Teamchefs ging, hörte man im Radio schon die ersten Spekulationen zum Ergebnis und Vorschläge, wie die „bevorstehende Niederlage“ noch verhindert werden könne. Die Aufgabe war denkbar schwierig und die Chancen auf eine Überraschung gering – mit dem Team der Elfenbeinküste kam eine der afrikanischen Topmannschaften und WM-Teilnehmer nach Österreich. Am späten Abend, nach 90 kämpferischen Minuten war die Sensation perfekt. Obwohl es nur ein Testspiel war, rang Österreich eine internationale Topmannschaft mit 3:2 nieder. „Hicke raus!“ dröhnte es zuvor von den halb leeren Tribünen aus den Hälsen der sogenannten Fans des Teams. Der zuvor oftmals kritisierte Optimismus vor dem Spiel blieb aus und prompt gelang dem Team die Wende. Die Besucher der meist halbvollen Stadien in der österreichischen Bundesliga sind nun wieder optimistisch, was die EM 2008 angeht. Verliert das Team deswegen wieder? Sind die inneren Blockaden wirklich hohe Wände und keine kleinen Hürden?

Amerikanische Forscher machten an 15 Testpersonen einen Versuch, um das Gehirn zu analysieren, Zentren der Hirnströmungen und des Denkens zu finden. Man fand heraus, dass bei positiven Gedanken eine stärkere Regung in gewissen Hirnpartien zu entdecken ist, bei negativen Erlebnissen und damit verbundenen Gefühlen das Hirn jedoch weniger an diesen Stellen aktiv ist. Am auffälligsten sei es jedoch bei den größten Optimisten gewesen. Demnach sind diese Hirnbereiche wichtig bei der Sicht auf die Zukunft und die Aussicht, dass alles gut wird, sind leichter zu erkennen, als die Realität. Es gibt also Optimismuszentren im Gehirn, aber ob diese mit Depressionen zusammenhängen, ist derzeit noch unklar, aber sehr wahrscheinlich – sollte dies der Fall, sein können in Zukunft Forscher aufgrund dieser Optimismuszentren früher Depressionen diagnostizieren und dann behandeln.

Wir Österreicher sollten uns ein Beispiel an unseren stets (zu) gut gelaunten Nachbarn aus dem Norden nehmen, die vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land eine noch weitaus schlimmere, fußballerische Depression durchleben mussten. Was nun Fußball mit der oben genannten Studie zu tun hat? Nun ja, so einiges, denn in näherer Zukunft, sprich Sommer 2008, wäre es nicht mehr hilfreich,  schon im Voraus alles schlecht zu reden, aber auch die berühmte „Rosa Brille“ ist nicht angebracht. Besser zuerst nachgedacht, bevor man etwas behauptet, denn jedes Kind weiß:  Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch wann stirbt schon der Optimismus? 

Klemens Kummer, Tobias Scheidl