Die Assassinen

Anmerkung: Es ist unmöglich, alle Fakten und interessanten Details über die Assassinen in einem Artikel dieser Länge wiederzugeben.  Wer sich über Assassinen bereits intensiv informiert hat, wird vielleicht das eine oder andere Detail vermissen.
Ich hoffe, ich konnte die wichtigsten und interessantesten Fakten darstellen.

Einleitung:

Eines der größten Fehlurteile über Assassinen ist, dass man davon ausgeht, ihre Gewalt richte sich vor allem gegen die Kreuzritter. In Wahrheit wurden nur sehr wenige Kreuzritter zu Opfern der Assassinen und waren dann auch Teil eines muslimischen Plans.
Außerdem wurden sie von so manchem Christen als äußerst gefährlich angesehen.
Sie bekämpften weitgehend Muslime und ihre Attacken galten den führenden Menschen des Islams und dessen Idealen, in den Augen der Assassinen ein autokratisches System.
Opfer waren zum Beispiel Monarchen, Minister, Generäle und Geistliche; und sie alle starben durch die gleiche Waffe: den Dolch.
Dadurch entstand das bewusst „wahnsinnige“ Vorgehen, die am gefährlichsten zu tötenden Opfer mit der dafür am schlechtesten geeigneten Waffe auszulöschen, denn ein Assassine sollte seinen Auftrag nicht überleben, das hätte ihm Schande bereitet.
Die Opfer wurden dabei bewusst gewählt und es handelte sich dabei um Menschen, deren Tod Einfluss auf andere und die Situation allgemein verändern sollte.
Während das Wort Assassine auch heute noch für Mörder verwendet wird, die aus Habgier oder religiösem Eifer handeln, wurde es am Ende des 12. Jahrhunderts kurzzeitig in der Literatur als ein Zeichen großer Hingabe für etwa eine Frau verwendet.
Es kam natürlich auch zu Gesprächen mit Europäern und Assassinen. Als bestes Beispiel lässt sich dafür wohl nennen, dass die Johanniter und die Templer von den Burgen der Assassinen Tribute einforderten.
Assassinen war nur eine Bezeichnung in Syrien, wie auch die Bezeichnung „Der Alte vom Berge“, wobei diese sogar nur von Kreuzfahrern gebraucht worden sein könnte, da diese Bezeichnung sich in keinem arabischen Text dieser Zeit wiederfindet.
Vermutlich lässt es sich vom Wort Scheich ableiten, der Älteste, das mit dem Berg verbunden wurde.
Von Wilhelm und Benjamin von Tudela wurden die Assassinen in Persien auch Mulhet oder Mulihet genannt, das vom arabischem mulhid kommt, was so viel wie Abtrünniger bedeutet.
Marco Polo schrieb einst über eine islamische Festung, bei der die Vermutung nahe liegt, dass es sich um Alamut handelt, dass der Alte vom Berge dort Aloadin hieß. Dieser Aloadin legte einen wunderschönen Garten an und ließ die Menschen glauben, er wäre das Paradies und nur derjenige dürfe ihn betreten, der für ihn mordete.
Er rief alle männlichen Zwölfjährigen zu sich, von denen man ausgehen konnte, dass sie kräftige Männer werden würden, schläferte sie mit Opium ein und brachte sie zu viert, zehnt oder zu zwanzigst in den Garten.
Dort wurden sie dann wieder herausgeholt, wenn sie jemanden ermorden sollten, und wenn sie es nicht überlebten, kämen sie ins Paradies– zumindest glaubten sie das.
Immer wieder wurden den Assassinen Mordversuche in die Schuhe geschoben wie etwa 1158, als man im Lager vor Mailand einen angeblichen Assassinen ergriff, der Friedrich Barbarossa töten sollte. Auch Richard Löwenherz hätte angeblich 1195 von 15 Assassinen ermordet werden sollen.
Diese beiden sind nicht die einzigen Fälle, wo man die Assassinen beschuldigte, sich mit Europäern zusammengetan zu haben.
Fakt jedoch ist, dass den Assassinen die Intrigen von Europäern mehr als nur egal waren.
Europäer hatten schon oft bewiesen, dass sie es immer noch selbst am besten beherrschten, ihresgleichen zu töten.
Ab dem 14. Jahrhundert bedeutete Assassine nur noch Mörder und nicht etwa fanatischer Mörder einer Gruppe, Sektenmitglied etc.
Im Jahre 1809 meinte Silvestre de Sacys wiederum, dass Assassine sich von arabischem haschisch ableiten lasse.

Chronik der Ereignisse:

Hasan-i Sabbah wurde zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt in Qummm geboren. Man vermutet, dass seine Geburt irgendwann in der Mitte des 11 Jahrhunderts war.
Laut einer Autobiographie fühlte sich Hasan schon im Alter von sieben Jahren zum Lernen aller Wissensgebiete hingezogen und wollte ein Gelehrter der Religion werden. Er erforschte bis zu seinem siebzehnten Lebensjahr allerlei Wissen, führte aber sein Leben wie sein Vater mit dem Zwölfer-Glauben.
Als sein Mentor agierte Amira Zarrab, von dem Hasan jedoch getrennt wurde.
Die Inhalte einiger islamischer Bücher überzeugten ihn, andere wiederum nicht.
Als Hasan an einer schweren Krankheit erkrankte, glaubte er, jetzt sterben zu müssen, doch er überlebte.
Er suchte sich einen neuen Mentor und leistete einen Eid auf den fatimidischen Imam.
Im Jahr 1072 schickte ihn der Chef der ismailischen Mission Abd al-Malik ibn Attasch nach Kairo, wo er sich selbst vorstellen sollte. Hasan sollte erst Jahre später nach Ägypten aufbrechen.
Dafür gibt es verschiedene Erklärung. Eine wäre folgende:
Er schloss eine Freundschaft mit dem Dichter Omar Chajjam und dem späterem Wesir Nizam al-Mulk und sie vereinbarten, dass derjenige, der als erster zu Ruhm kommen würde, den anderen helfe. Nizam al-Mulk wurde Wesir und ermöglichte ihnen Gouverneursposten, die beide ablehnten.
Hasan wurde später ein möglicher Kandidat für das Wesiramt, weshalb sein ehemaliger Freund al-Mulk durch eine Intrige dafür sorgte, dass er vom Sultan verstoßen wurde.
Hasan ging nun nach Ägypten und wollte Rache.
Nizam al-Mulk starb 1092 – und das nicht an Altersschwäche.
Eine andere Fassung wäre, dass Nasan ägyptische Agenten bei sich aufgenommen habe und deshalb von den Behörden von Raji aus der Stadt gejagt worden sei, da er sonst ins Gefängnis gekommen wäre. Das soll 1076 geschehen sein.
Er erreichte Kairo am 30. August 1078 und hohe Würdenträger erwarteten ihn bereits.
Nach einem Streit mit dem Armeekommandeur Badr al-Dschamali, der Nizar unterstütze, wurde er verhaftet und später in ein anderes Land deportiert.
Das fränkische Schiff, das ihn überführen sollte, erlitt jedoch Schiffsbruch und Hasan konnte nach Syrien gebracht werden. Er reiste neun Jahre lang durch Persien.
Nasan konzentrierte sich dann auf Dailam und Mesanderan, ließ sich in Damghan nieder und verweilte dort drei Jahre.
Um die Bevölkerung für sich zu gewinnen, sandte er da’is aus und beteiligte sich auch selbst.
Der Wesir bat die Behörden von Rajj ihn zu verhaften, doch Hasan flüchtete über eine Bergroute nach Qaswin, von wo er noch besser seine Propaganda betreiben konnte.
Auf seinen Reisen gewann er viele neue Anhänger und als sein Hauptquartier wählte er eine Festung, in der er nicht so leicht entdeckt werden konnte und von wo aus er seinen Kampf gegen die Seldschuken ohne Konsequenzen fortsetzen konnte.
Der Name der Festung lautete Alamut.

Sie lag auf einem 1800 m hohen Felsen im Elbursgebirge mit einem fruchtbaren Tal von 50 km Länge und 5 km Breite. Die Festung erreichte man auf einem schmalen, windigen Pfad.
Hasan schickte einen da’i in die Festung und dieser konnte einige Bewohner von Alamut bekehren, die wiederum versuchten den Herrscher zu bekehren.
Dieser zeigte sich für die Sache gewonnen, schickte die Bekehrten alle auf das Land hinaus und schloss die Tore der Festung hinter ihnen.
Es wurde verhandelt und die Anhänger Hasans wurden wieder hereingelassen, und trotz erneutem Befehl die Festung wieder zu verlassen, gehorchten sie nicht.
Hasan gelangte unter falscher Identität am 4. September 1090 in die Festung, wurde aber erkannt.
Er gestattete dem Herrscher, der sich seiner misslichen Lage bewusst war, zu gehen und gab ihm 3000 Golddinare für die Burg.
Für die restlichen 35 Jahre seines Lebens sollte er sie nicht mehr verlassen.
Von nun an hatte er nur noch 2 Ziele vor Augen: Weitere Burgen und missionieren.
Er entsandte Agenten und Missionare, die das erledigen sollten.
Orte, die er nicht durch „Tricks“ in seine Hände bringen konnte, brachte er durch Massaker, Schändung und Plünderung unter seine Kontrolle.
Er nahm alle Burgen ein, derer er sich bemächtigen konnte und baute an günstigen Stellen neue.
1091/1092 wurde Quhistan bekehrt.
Es war jedoch keine Bekehrung im normalen Sinne, mehr eine Auflehnung des Volkes gegen die fremde Militärherrschaft.
Die Islamiten erhoben sich und eroberten in ihren Revolten Städte wie Suan, Quain, Tabas, Tun.
Schließlich kam es zu einem Konflikt zwischen ismailischen Agenten und seldschukischen Autoritäten, möglicherweise sogar vor dem Fall Alamuts.
In der Stadt Sava wurden 18 Ismailiten verhaftet, weil sie abgesondert gebetet hatten, sie wurden dann aber wieder freigelassen.
Als ein Muezzin nicht bekehrt werden konnte, töteten sie ihn. Dieser Muezzin sollte das erste Opfer der Sekte sein.
Nizam al-Mulk gab die Order, den Anführer der 18 Männer zu töten.
Dieser hieß Tahir, er wurde getötet und seine Leiche über den Marktplatz geschleift.
1092 schickte der Großsultan und Oberlehnsherr aller seldschukischer Herrscher und Fürsten Malikschah zwei Armeen aus. Eine davon nach Alamut, die andere nach Quhistan. Beide scheiterten.
Nach der Niederlage beider Armeen hatten die Ismailiten den ersten großen Erfolg in der Kunst des Meuchelmordes errungen, dem sogenannten „Assassinats“
Das erste geplant getötete Opfer war Hasans Gegenspieler Nizam al-Mulk, der von dem fida’i Bu Thair Arrani erstochen wurde.
Nach dessen Ermordung soll Hasan gesagt haben: „Die Tötung des Teufels ist der Beginn der Seligkeit“.
Bu Thair Arrani überlebte seinen Einsatz übrigens nicht.

Das Wort fida’i bedeutet soviel wie Geweihter, da’wa ist der meistgebrauchte Ausdruck zur Beschreibung der Sektenorganisation und bedeutet soviel wie Verkündigung oder Mission.
Die da’is sind die Verkünder der da’wa, das bedeutet Zusammenrufer, unter ihnen standen die mustadschibs.
Über ihnen war der huddscha, was Beweis bedeutet.
Der Zuständigkeitsbereich der da’is hieß dschasira (Insel).
Angeführt werden die Assassinen von einem Scheich (Ältester) und das normale Mitglied heißt rafiq.
Nach dem Tod von Kalif al-Mustansir, der die höchste Glaubensautorität darstellte, begann ein Nachfolgekrieg und es fehlte ein manifester Imam.
Doch das schwächte die Assassinen nicht. Sie eroberten im östlichen Elbur eine Burg im Jahre 1096 und Missionare wurden ausgeschickt.
Auch Girdkuh, Isfahan und Schahdiz wurden Assassinenfesten.
Im Sommer 1100 hatten die Generäle am Hofe Berkjaruqs sogar soviel Angst, dass sie ihre Häuser nie ohne Schutz verließen und stets bewaffnet waren.
Im Jahre 1101 verbündete sich Berkjaruq mit Sandschar und sie schickten eine Armee in die Region Quhistans, die jedoch durch Bestechung des Befehlshaber abgewehrt wurde und dies ermöglichte eine Erholungspause, die den Ismailiten jedoch nichts nützte, denn drei Jahre später wurden sie besiegt. Sie mussten schwören, nie wieder Festungen zu bauen und Waffen für ihren Glauben anzulegen.
Dass dieses Versprechen nicht eingehalten wurde, kann man sich denken.
Berkjaruq starb 1105.
Sein Nachfolger griff die Festung Isfahan an, die nach einigen religiösen Streitfragen innerhalb des Heeres eingenommen wurde.
Man verhandelte, ob man nicht statt dieser eine andere Burg einnehmen könne, damit man vor dem Mob geschützt sei, doch während dieser Verhandlungen wurde ein Anschlag auf einen Emir verübt, der fehlschlug und die Belagerung wurde fortgesetzt.
Man verhandelte erneut, ließ einen Teil der Garnison ziehen und wollte nach einiger Zeit auch den anderen Teil gehen lassen, doch dieses Abkommen wurde nicht eingehalten und die meisten Verteidiger wurden ermordet.
1107/08 wurde eine Eroberungsexpedition gegen Alamut gestartet, angeführt von ibn Nizam al-Mulk, Sohn von Nizam al-Mulk und Bruder von Fachr al-Mulk, die beide von Assassinen getötet worden waren.
Diese richtete viel Schaden an Land und Bevölkerung an, sein Ziel Alamut zu erobern, erreichte er nicht. Die Folge war eine Hungersnot.
Acht Jahre lang plünderten die Armeen die Ernte und ein erneuter Angriff konnte nur abgewehrt werden, weil sich die feindlichen Truppen zerstreuten, als Sultan Muhammad starb.
Die Assassinen erbeuteten im Heerlager Nahrung, Waffen und Kriegsgeräte.
Trotz der Belagerung mordeten die Assassinen munter weiter und verübten auch einen Anschlag auf Ahmad ibn Nizam al-Mulk, der jedoch mit dem Leben davonkam.
Hasan-i Sabbah wollte Frieden mit Sandschar schließen, dieser lehnte ab und Hasan-i Sabbah bestach einen Eunuchen des Sultans, einen Dolch in sein Bett zu rammen, während dieser schlief. Hasan-i Sabbah schickte die Botschaft, dass der Dolch, falls gewollt, genauso gut auch in der Brust hätte stecken können. Daraufhin wurde Frieden geschlossen…
Aus Hass und Angst gegen die Assassinen wurden in Askalon genaue Überprüfungen von Neuankömmlingen durchgeführt und in Neu- und Altkairo Listen mit Personen aufgestellt, die deren Beinamen, Lebensumstände und Lebensunterhalt beinhielten. Anschließend wurden Frauen entsandt, die weitere Informationen eintrieben und dadurch ergaben sich Namen, die mit den Assassinen in Verbindung standen.
Es heißt, jeder Assassine sei von dem Moment an überwacht worden, in dem er Alamut verließ.
Im März 1124 erkrankte Hasan-i Sabbah und setzte als seinen Erben Busurgumid ein.
Hasan-i Sabbah starb schließlich am Freitag, den 23. Mai 1124.
Während der 35 Jahre, die er Alamut herrschte, ließ er zwei seiner Söhne exekutieren, einen weil er Wein getrunken hatte, was sonst niemand während dieser 35 Jahre getan hatte und einen zweiten, weil er angeblich - es wurde später bewiesen, dass dem nicht so war - jemanden dazu verleitet habe, einen da’i zu töten.

Im Jahre 1126 begannen Angriffe auf Assassinen und ganze Dörfer wurden niedergemetzelt. All das geschah auf Befehl von Sultan Sandschar. Als es nach dem Bau einer neuen Festung und der Einnahme neuer Gebiete zu Friedensverhandlungen kam, wurde einer der Gesandten aus Alamut von der Bevölkerung  in Isfahan getötet.
Da sich der Sultan weigerte, die Mörder zu bestrafen, töteten die Assassinen in Quaswin 400 Menschen.
Busurgumids, der Nachfolger von Hasan, starb am 9. Februar 1138.
Nachfolger wurde sein Sohn Muhammad. Sein erstes Opfer sollte der ehemalige Kalif al-Raschid sein, dessen Vater schon den Assassinendolchen zum Opfer gefallen war.
Insgesamt gab es 14 Morde während Muhammads Regierungszeit.
Mit dem Laufe der Zeit dehnten die Assassinen ihr Gebiet nach Georgien und dem heutigem Afghanistan aus.
Die Assassinen hatten zwei große Feinde, Abbas, Gouverneur von Rajj und den Herrscher von Mesanderan, die beide Türme aus Schädeln gebaut haben sollen.
Abbas starb 1146 oder 1147 in Bagdad, getötet durch Sultan Mas’ud.
Man sehnte sich nach den glorreichen Zeiten Hasans zurück und erklärte dann Hasan, den Sohn von Muhammad, zum Erben von Alamut.
Im Alter von 35 Jahren erbte er Alamut von seinem Vater im Jahre 1162.
Hasan verkündete das Ende des heiligen Gesetzes durch eine außergewöhnliche Zeremonie und ein Fest, das ähnlich auch in Quhistan veranstaltet wurde.
Dadurch wurde Hasan zum Stellvertreter des Imams und Lebendiger Beweis, Bringer der Auferstehung (qa’im).
Nicht alle schlossen sich dieser neuen Lehre an, darunter auch Hasans Schwager, der ihn am 9 Jänner 1166 erstach.
Hasans Nachfolger war der 19-jährige Muhammad, sein Sohn, der am 1. September 1210 sein Leben aushauchte. Es wird vermutet, dass dabei Gift im Spiel gewesen ist.
Ihm folgte sein Sohn Dschalal al-Din Hasan.
Er sollte den Beinamen „Der Neumuslime“ tragen, da er sich zum Islam bekannte und seine Anhänger ebenfalls dazu zwang.
Als er 1212/1213 nach Mekka aufbrach, wurde ein Vetter eines Scherifs ermordet, der meinte, er sei das Ziel gewesen und es wäre ein Assassine gewesen. Man zahlte die Geldstrafen und hielt die Bündnisse aufrecht.
Er benutze keine Mörder, sondern Armeen und ließ Moscheen und Bädern bauen, wodurch das „Assassinenlager“ ein angesehenes Königreich wurde.
Er starb nach 11 Jahren Regierungszeit im Jahre 1221, vermutlich durch Gift, das ihm seine Frauen verabreicht hatten, mit Duldung von Verwandten. Daraufhin wurden viele Verwandte hingerichtet.
Nachfolger war in diesem Fall Dschalal al-Din, auf den wiederum dessen (einziger) Sohn Ala al-Din Muhammad folgte, zu diesem Zeitpunkt 9 Jahre alt.
Nach etwa 5 Regierungsjahren soll er in einen Zustand von Melancholie verfallen sein, weshalb man ihm gar nicht erst von Überfällen und dergleichen berichtete.
Es kam in den Folgejahren zu Streitereien mit dem Chorasmschah.
1255 erreichte die Verrücktheit von Ala al-Dins ihren Höhepunkt. Sein ältester Sohn floh sogar und zog Würdenträger seines Vaters auf seine Seite, indem er sie darauf hinwies, dass sein Vater nichts gegen die Mongolen unternahm.
Er selbst wollte sich den Mongolen unterwerfen.
Nichtsdestotrotz wollte niemand den Anführer der Assassinen selbst töten, da dies Verrat gewesen wäre, doch das Problem erledigte sich mehr oder weniger von selbst. Als sein ältester Sohn Runk al-Din erkrankte, betrank sich sein Vater und wurde am 1. Dezember des Jahres 1255 im Schlaf von Unbekannten ermordet.
Natürlich gab es Hinrichtungen von Personen, die zur Zeit des Todes in des Toten Nähe waren.
Man einigte sich auf einen Gefährten des Toten und verbrannte ihn mitsamt seiner zweier Töchter und seinem Sohn.
Rukn war nun Herrscher über Alamut.
Im Jahr 1258 eroberten die Mongolen Bagdad und hatten in den Jahrzehnten zuvor schon weite Gebiete erobert.
Man warnte die Mongolen vor den Assassinen und das mögliche Bündnis wurde dadurch zerstört.
Rukn ließ Festungen niederreißen, damit er sich unterwerfen konnte.
Schließlich stellte man Rukn ein Ultimatum, dass er die Festung Maimundiz zerstöre und persönlich vor den König trete. Würde er das nicht tun, wisse nur Gott, was mit ihm geschehen werde.
Rukn ergab sich und ihm wurde sogar erlaubt, ein mongolisches Mädchen zu heiraten.
Auf Rukns Befehl hin ergaben sich viele Festungen, nur Alamut und Lamasar nicht. Alamut jedoch kapitulierte einige Tage später, da sie die Konsequenzen ihrer Entscheidung einsahen.
Lamasar sollte ein Jahr später fallen.
Rukn, seine Diener und seine Familie wurden getötet, als man seine Nutzlosigkeit erkannte, da sich einige Burgen nicht ergaben.
1275 gelang es den Ismailiten, Alamut für kurze Zeit zurückzuerobern und zu halten.
Doch ihre Sache war verloren und Alamut wurde zerstört.

Assassinen in Syrien

Zur Zeit Hasan-i Sabbah wurden Anhänger nach Syrien entsandt, um die Neue Verkündigung zu verbreiten.
Vor allem als die Kreuzfahrer Stadt um Stadt eroberten, schlossen sich immer mehr Menschen den Assassinen an.
Der erste Mord der syrischen Ismailiten geschah am 1.Mai 1103 an Dschanah al-Dawla.
Sowohl Offiziere wie Assassinen wurden dabei getötet.
Man munkelte damals, dass der Beherrscher von Aleppo seine Finger im Spiel hatte
Der Anführer der Assassinen hierzulande wurde unter dem Namen al-Hakim al-Munajjim (der Arzt-Astrologe) bekannt, er starb jedoch 2-3 Wochen nach dem ersten Attentat und sein Nachfolger war Abu Tahir Sa’igh, der Goldschmied.
Am 3.Februar 1106 töteten die Assassinen Chalaf ibn Mula’ib, Herrscher der Stadt Afamija und man bemächtigte sich dieser Stadt.
Tankred, Kreuzfahrer-Fürst von Antiochia, verlangte zuerst Tribut, griff die Stadt dann an und die Assassinen kapitulierten. 
Dennoch richtete sich ihr Zorn weiterhin gegen Führer des Islam, nicht gegen Christen.
Nach dem Tod von Ridwan, Herr von Aleppo, der die Assassinen unterstützt hatte, wehte ihnen ein anderer Wind entgegen. Der „Goldschmied“ wurde getötet, 200 Assassinen verhaftet und ihr Vermögen eingezogen.
Es folgten die üblichen Intrigen und Attentate, die alle aufzuzählen viel zu viel Raum einnehmen würden.
Wichtig ist, dass Masjaf 1140/41 eingenommen wurde.
Schließlich ermordeten sie Graf Raimund II von Tripoli und forderten damit ihr erstes fränkisches Opfer.
Dann gelangte einer der berühmtesten Assassinenführer an die Macht, Sinan ibn Salman ibn Muhammad, bekannt als Raschid al-Din.
Es kam zu Exzessen, bei denen Sinan angeblich den Männern erlaubte, mit ihren Müttern, Schwestern und Töchtern zu schlafen und zudem soll er sie vom Fasten im Ramadam-Monat befreit haben. Sinan selbst war es, der diese Exzesse beendete.
Aus Alamut wurden Attentäter geschickt, weil man während Sinans 30-jähriger Regierungszeit fürchtete, er würde zu stark werden. Sinan ließ sie alle hinrichten.
Auch auf Saladin gab es Anschläge, der mit einem erfolglosen Angriff auf Masjaf antwortete.
Bei dem zweiten Attentat gaben sich Assassinen sogar als Soldaten aus und griffen Saladin während einer Belagerung an. Dank seines Harnisches sollte er überleben.
Von da an, lebte er in einem hölzernen Turm, den nur ihm bekannte Personen betreten durften.
Am 28.April 1192 erstachen die Assassinen in Tyros den Marktgrafen Konrad von Montferrat, König von Jerusalem. Die Assassinen sollen als Mönche verkleidet gewesen sein.
Diesen Mord versuchte man auch Richard Löwenherz anzuhängen, andere behauptet es wäre Saladin gewesen der auch Richard tot hätte sehen wollen, was sich als unmöglich erwiesen hätte.  
Irgendwann zwischen 1192 und 1194 starb Sinan, den man heutzutage eher als „Der Alte vom Berge“ kennt.
Ihm folgte der Perser Nasr und damit sollte die Autorität Alamuts in Syrien wiederhergestellt werden.
Es folgten keine Mordanschläge mehr auf Islamisten, dafür aber auf Christen wie Bohemund IV von Antiochia.
Von nun an forderte man auch Schutzgelder und drohte mit Ermordungen, sowohl an Muslimen wie Christen.
Schließlich begannen die Johanniter Tribut von den Assassinen zu fordern, der erst nach blutigen Auseinandersetzungen geleistet wurde.
Als König Ludwig im Heiligen Land eintraf, forderte man auch von ihm Geld oder dass einige Tribute an die Johanniter und Templer erlassen wurden, denn beide Orden hatten keine Angst vor Anschlägen.
Wurde ein Anführer getötet, rückte sofort ein neuer nach und die Assassinen opferten ihre Leute nicht in einem Kampf ohne Erfolgswahrscheinlichkeit.
Ludwig aber schickte Geschenke und die Assassinen zahlten ihren Tribut.
Die Assassinen wurden schließlich von den Mongolen und dem Mamelucken- Sultan Baibars bedrängt, der dann sogar fida’is ernannte und aussandte, weil er die Assassinen im Griff hatte.
Es heißt, Baibars habe 1271 den Grafen von Tripoli mit Mord gedroht und sogar das Attentat auf Prinz Eduard von England im Jahre 1272 veranlasst.
Syrische und Persische Ismailiten gingen von nun an getrennte Wege.

Zum Schluss soll eines gesagt sein: Die Sache der Assassinen ist auf ganzer Linie gescheitert. Sie konnten die verhasste Ordnung nicht stürzen, keine große Stadt halten und ihre Anhänger waren am Ende nichts mehr als friedliche Bauern.

Hört man heute das Wort „Assassine“, denkt man vor allem an eine Person, die für Geld Menschen ermordet und keinerlei Gewissen hat. Außerdem stellen sie für viele einen Begriff für „Terrorist“ dar.
Das ist natürlich schwachsinnig, da Terroristen auch Geiseln nehmen, was bei den Assassinen nicht der Fall war – die Europäer waren es, die zur Sicherung Geiseln „austauschten“ oder zurückließen. Kriegsgefangene wurden gefangen gehalten und gegen ein Lösegeld zurückverkauft und dabei mussten historische Personen wie der Earl of Sommerset schon mal 20 Jahre warten, ehe sie wieder zurückgekauft wurden.
Die damalige Überzeugung und das Handeln der Assassinen hat mit dem eines Terroristen heutzutage nicht mehr viel zu tun.

Quelle: Lewis, Beranard – „Die Assassinen – Zur Tradition des religiösen Mordes im radikalem Islam“, erschienen im Eichborn Verlag, 2001

Peter Leeb