Elsner vor VfGH abgeblitzt
Elsner hat vor Gericht angegeben, dass man bei seiner Überlieferung aus
Frankreich nach Österreich gegen das französische Recht gehandelt habe. Doch
es wurde gegen Elsner entschieden.
"Die Rekonstruktion der Abläufe durch den VfGH ergab, dass es sich um Akte
der Gerichtsbarkeit handelt und für eine Überschreitung der richterlichen Befehle
durch ein Verwaltungsorgan keine Anhaltspunkte bestehen", heißt es in einer
Information des VfGH.
Elsner ist auch mit einer zweiten Beschwerde abgeblitzt. Bereits
vor dem Prozess hat er angezeigt, dass das „fair trail“ (faires Verfahren)
verletzt wurde. Elsner hatte beim UVS eine Maßnahmenbeschwerde wegen "wiederkehrender
Weitergabe streng vertraulicher und dem Amtsgeheimnis unterliegender Informationen
und Aktenbestandteile" an Printmedien eingebracht. Die UVS wies diese
Beschwerde zurück, da die Veröffentlichung von Amtsgeheimnissen keinen "Akt
unmittelbarer verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt" darstelle.
Das heißt selbst wenn Aktenbestandteile weitergegeben worden wären, könne
man nicht von verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt sprechen.
Die Zukunft des Prozesses
Die Zeugenbefragungen im Bawag-Prozess ist abgeschlossen
Der letzte Zeuge Kuno Frick jun. wurde am 13.11 vernommen. Es ist trotzdem
noch kein Ende des Prozesses in Sicht. Ursprünglich sollte er bereits im
Oktober enden, aber voraussichtlich wird dies erst nächstes Jahr geschehen.
Vor dem letzten Bawag-Zeugen des heurigen Jahres hatte Leopold
Krondorfer, bis 1997 Chef der Innenrevision, berichtet; man habe die Sondergeschäfte
1996 und 1997 "nach bestem Wissen und Gewissen geprüft". Bis auf
manche Dokumente über Sicherheiten, die habe Elsner verwahrt, "und ich
konnte ja nicht zu ihm gehen und in den Tresor schauen", meinte der
Zeuge, der 1963 an einem Schalter der "Arbeiterbank" begonnen hatte.
Der Bawag-Prozess hat bereits viele Details von dubiosen Geschäften
und der Ignoranz von Mitarbeitern der ehemaligen Gewerkschaftsbank ans Tageslicht
gebracht. Vor allem der ehemalige Generaldirektor Elsner scheint sich auch
noch mit einer großzügigen Pension nach den Verlustgeschäften verabschiedet
zu haben. Es ist der größte Wirtschaftsskandal der 2. Republik.
Nächster Verhandlungstermin ist der 26. November. Der Sachverständige
Fritz Kleiner wird in der letzten Novemberwoche eine Prognose für sein Gutachten
abgeben, das die Handelstätigkeit Flöttls analysieren soll. Auch der Sachverständige
Thomas Keppert kommt in der letzten Novemberwoche zu Wort und wird sein Gutachten
über die Bilanzen der Bawag präsentieren. Im Dezember macht der Bawag-Prozess
dann Pause.
Joseph Hage-Ahmed
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