Paul FriedländerPaul Friedländer hieß ursprünglich Pavel Friedländer. Er kam am 11. Oktober
1932 in Prag zur Welt. Seine Eltern waren eine gut situiere bürgerliche Familie,
in der das Judentum kaum noch eine Rolle spielte. Seine Eltern flohen nach
Paris, nachdem die deutsche Wehrmacht in Prag einmarschierte. Die Deutschen
besiegten auch Frankreich und die Familie floh weiter in die unbesetzte Zone.
Sein Vater versuchte ein Geschäft aufzubauen und seine Mutter sorgte mit
Gelegenheitsarbeiten für den Unterhalt. Mitte 1942 wurden alle Juden aus
der unbesetzten Zone verhaftet. Die Eltern sahen nur eine Chance. Sie flohen
zu zweit und ließen den Jungen in einem katholischen Internat unter Obhut
einer französischen Patin. Sein Name wurde in Paul-Henri Ferland geändert
und er wurde mit der Einwilligung der Eltern katholisch getauft. Der Junge
erfuhr erst 1945, dass seine Eltern in Auschwitz ermordet wurden, nachdem
ihr Versuch scheiterte, nahe Saint-Gingolph am Genfer See in die Schweiz
zu gelangen. Ein Grenzbeamter wies das Paar zurück. Hätten sie Paul mitgenommen,
hätten sie in dieser kurzen Phase der Schweizer Flüchtlingspolitik die Grenze
passieren können und wären in Sicherheit gewesen. Julian Schmall (Bezug: Die Zeit, diese Woche) |